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Guten Mutes befreit leben

Pfarrer und langjähriger Superintendent Roland Rust verabschiedet

Leun-Biskirchen (bkl).  „Du hast das Herz der Menschen für Gott und sein Wort geöffnet, den Auftrag der Kirche wahrgenommen und in Wort und Sakrament den Menschen das Evangelium Jesu Christi nahegebracht.“ Das hat Pfarrer Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, in der Kirche in Biskirchen zu Pfarrer Roland Rust gesagt, der im Rahmen eines Festgottesdienstes in sehr herzlicher Atmosphäre aus seinem vielfältigen Dienst verabschiedet wurde.

Mehr als 20 Jahre war Rust Superintendent des Kirchenkreises Braunfels gewesen, anderthalb Jahre leitender Pfarrer des Kirchenkreises an Lahn und Dill und nahezu 34 Jahre Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Kölschhausen, zu der die Dörfer Dreisbach, Niederlemp, Bechlingen, Breitenbach und Kölschhausen gehören. Am 1. Juli dieses Jahres ging Rust in den Ruhestand. Die Verabschiedung sei anders geplant gewesen, sagte Pfarrerin Cornelia Heynen-Rust angesichts der Coronasituation bei der Begrüßung, doch freue sich das Presbyterium Biskirchen, dass der Gottesdienst hier stattfinde. Nur etwas mehr als 40 Personen, vorwiegend aus dem Bevollmächtigtenausschuss, der derzeit den Kirchenkreis leitet, und dem Presbyterium Kölschhausen, konnten unter strikter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln am Gottesdienst teilnehmen.

In seiner Predigt über den 1. Vers aus dem 5. Kapitel des Galaterbriefes: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“ beschrieb Roland Rust eindrücklich, was mit der Freiheit gemeint ist, die im Leben und Sterben trägt. „Jesus Christus holt uns heraus aus dem vielfältigen Krampf unseres Lebens“, erklärte der Theologe und fuhr fort: „Er verleiht unserem Leben Würde und Bedeutung und wir sind vom Zwang befreit, uns aufzublasen und zu zeigen, wie toll wir sind.“ Freiheit in diesem Sinne bedeute, im Kraftfeld Christi bedingungslos geborgen zu sein. So könnten Menschen als Einzelne und als Gemeinde guten Mutes befreit leben, allein aus Gnade. Zugangsbedingungen zu Christus gebe es keine, betonte Rust. Wo immer er rufe, sei die Machtfrage beantwortet, seien Menschen in seinem Namen über Kulturen, Hautfarbe, Geschlecht und Herkunft hinweg zusammengeschlossen. Da wehe der Geist der Lebenslust, der Solidarität und des Aufatmens. Deshalb sei es wichtig, auch für andere zu sorgen und sie zu stützen. Und bei allen persönlichen Lasten sei es befreiend, darauf bauen zu können, „dass wir auch dann von segnender Hand gehalten sind, die unser Stückwerk zu Wertvollem zusammenfügen wird.“

Mit modernen Bearbeitungen zu Chorälen, deren Texte auf den Predigtinhalt abgestimmt waren, und einer Prélude von Matthias van den Gheyn gestaltete Kreiskantor Dietrich Bräutigam den Gottesdienst musikalisch auf ansprechende Weise.

Seine Auslegung des Bibeltextes aus dem 2. Timotheusbrief, Kapitel 2, Vers 9, „Gottes Wort ist nicht gebunden“ hatte Präses Rekowski mit der 6. These der Barmer Theologischen Erklärung verknüpft, in der es um den Auftrag der Kirche geht. „Gottes Wort lässt sich nicht fesseln an Normen und Formen der Verkündigung, an Organisationstrukturen oder bestimmte Frömmigkeitsprägungen, an Menschen, nicht einmal an Buchstaben der Heiligen Schrift“, so Rekowski. „Du hast deinen Dienst auch in dem Wissen getan, dass Gott sich nicht bindet in seinem Wort, dass es immer abhängig ist von der Kraft des Heiligen Geistes“, sagte der Präses und dankte Roland Rust für sein Engagement in Gemeinde und Kirchenkreis sehr herzlich und auch für „manch offenes Wort“ auf landeskirchlicher Ebene.

Der Dank an Pfarrer Rust für alles gute und erfolgreiche Miteinander, verbunden mit guten Wünschen für die Zeit des Ruhestandes kamen in den Grußworten nach dem Gottesdienst zum Ausdruck. „Einer trage des anderen Last“, zitierte Landrat Wolfgang Schuster, der auch im Namen des ebenfalls anwesenden Wetzlarer Oberbürgermeisters Manfred Wagner sprach, einen Vers aus dem Galaterbrief. „So beschreibe er die Zusammenarbeit mit Roland Rust, denn sie hätten in vielen Bereichen die gleiche Botschaft. Horst Henrich, Vertreter der Kirchengemeinde Kölschhausen, ließ viele Erinnerungen an Rusts Wirken in der Gemeinde aufleben. Senior (Superintendent) Dr. Matthias Rein vom Kirchenkreis Erfurt gab seiner Freude über die gute Partnerschaft mit vielen gegenseitigen Besuchen Ausdruck. Pfarrer Martin Weber grüßte für den katholischen Bezirk und auch von Bischof Georg Bätzing. Pfarrer Jörg Süß, der für den Kirchenkreis an Lahn und Dill sprach, dankte für Rusts Kooperationsbereitschaft, seine Kollegialität und seine Mahnung, bei allen Strukturüberlegungen das Eigentliche nicht zu vergessen.

Mit herzlichen Worten dankte Rust den Gottesdienstbesuchern für Ihr Kommen und besonders denen, die Grußworte gesprochen hatten, für die gute Zusammenarbeit und die Begegnungen auf gemeinsamem Weg. „Ein kräftiges ‚Gott befohlen‘ und ein ernst gemeintes ‚Auf Wiedersehen‘!“ gab der Theologe den Anwesenden zum Abschluss mit auf den Weg.

Foto: Barnikol-Lübeck

Bild: Gestalteten den Gottesdienst zur Verabschiedung des ehemaligen Superintendenten und Gemeindepfarrers Roland Rust und sprachen Grußworte (v.l.): Cornelia Heynen-Rust, Eberhard Peter, Dieter Leidecker, Roland Rust, Alfred van Niekerk, Jörg Süß, Regine Siekmann, Roland Hedrich, Wolfgang Schuster, Martin Weber, Matthias Rein, Horst Henrich und Manfred Rekowski.

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