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Pressespiegel & Aktuelles - Archiv von Wolfgang Schuster

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Flüchtlinge finden Asyl im Kirschenwäldchen

Kreis erhält in Wetzlar Unterkunft für 40 Menschen

Wetzlar. Wohin mit den Menschen, die vor Krieg und Elend in ihren Heimatländern flüchten? Diese Frage ist in vielen Kommunen noch unbeantwortet. Eine konkrete Antwort gibt es in Wetzlar: 40 Flüchtlinge sollen im Kirschenwäldchen unterkommen.

"Wir sind mit dem Hotel Stoppelberg im Kirschenwäldchen im Gespräch. Die Sache ist fast in trockenen Tüchern", erklärt Stephan Aurand, Hauptamtlicher Kreisbeigeordneter, am Montag auf unsere Nachfrage. "Wir werden 40 Menschen unterbringen können."

Momentan sei der Lahn-Dill-Kreis mit sämtlichen Städten und Gemeinden in Kontakt, um Flüchtlingen eine Bleibe bieten zu können. Denn: In den hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen kommen derzeit so viel Flüchtlinge an wie seit Jahren nicht mehr. Momentan befinden sich dort 1388 Menschen. Sie werden vom Regierungspräsidium (RP) Gießen auf die Landkreise verteilt. "Wir suchen hängeringend solche Objekte wie im Kirschenwäldchen, die auch den gängigen Brandschutzauflagen entsprechen müssen. Wir haben auch schon Angebote von Privatpersonen bekommen, die eine Wohnung zu vermieten haben. Wir sind offen für diese Angebote", so Aurand.

Bei einem Vor-Ort-Termin im Oktober wurde das Hotel im Wetzlarer Kirschenwäldchen vom Kreis begutachtet und für geeignet bewertet. Bereits in den kommenden Wochen sollen die Flüchtlinge dort einziehen.

Woher sie kommen, könne man noch nicht sagen, erklärt Klaus Schreiner, Abteilungsleiter für Soziales und Integration beim Kreis. "Wir bekommen kurz zuvor ein Fax mit einer Liste der Flüchtlinge. Ob es sich um Familien oder Männer oder Frauen handelt, die im Kirschenwäldchen untergebracht werden und aus welchen Ländern sie kommen, kann ich heute noch nicht sagen", so Schreiner.

2013 wurden bisher 370 Menschen im Lahn-Dill-Kreis aufgenommen, liefert er die Zahlen. Die größte Gruppe kommt aus Somalia (64 Personen), Eritrea (43), Serbien (34) und Syrien (33).

Bis Ende 2013 im Kreis Unterkünfte für über 200 Menschen finden

Die Kosten für die Unterbringung trägt der Kreis, 70 Prozent der Kosten würden aber vom Land zurückerstattet, fügt Aurand hinzu. Die Flüchtlinge werden durch den Kreis betreut, so Aurand, auch werde ein Notdienst eingerichtet. Falls es Fragen von Anliegern gebe, stünden zudem Mitarbeiter des Kreises für Gespräche zur Verfügung.

Bis Ende des Jahres müssen im Kreisgebiet noch Unterkünfte für über 200 Menschen gefunden werden, sagt Aurand. Dabei würden alle Gemeinden im Lahn-Dill-Kreis beteiligt. "Bisher verlief die Unterbringung ohne gravierende Probleme." Doch jetzt werde es eng. Zwar lasse das Hessische Landesaufnahmegesetz zu, Kommunen in die Pflicht zu nehmen, von sogenannten "Zwangszuweisungen" sei man allerdings noch entfernt: "Wir haben bisher Verabredungen mit den Gemeinden auf freiwilliger Basis getroffen. Wir sind weiter in Gesprächen. Der Kreis will auch keine Zwangszuweisungen, aber vielleicht sind sie im Notfall nötig", erklärt der Hauptamtliche Kreisbeigeordnete.

Die Situation sei angespannt, dennoch nicht mit der Flüchtlingswelle von 1992 vergleichbar. "Es ist aber auch nicht davon auszugehen, dass sich die Situation schnell entspannt. Im Gegenteil: Wir rechnen mit einer kontinuierlichen Zunahme. Dabei sitzen wir mit den Städten und Gemeinden in einem Boot", so Aurand. Fehlen Heime und große Gemeinschaftsunterkünfte, die es in den 90ern gab, inzwischen aber nicht mehr existieren? "Eine kasernierte Unterbringung von Flüchtlingen ist die schlechteste, eine private dagegen die beste Lösung. Wir versuchen sehr große Gemeinschaftsunterkünfte wie im vergangenen Jahrhundert zu vermeiden." Auch sei die Unterbringung in Turnhallen kein Thema. "Wir versuchen Leerstände zu nutzen."

"Der Kreis nimmt bereits deutlich mehr Flüchtlinge auf als Anfang des Jahres prognostiziert wurde. Dabei sind wir solidarisch mit dem Landkreis. Wir müssen den Andrang gemeinsam auffangen", sagt Wetzlars Bürgermeister Manfred Wagner (SPD). Um dabei Probleme und Missverständnisse zu vermeiden, sollen auch Anwohner im Umfeld mit einbezogen werden, so Wagners Appell.

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