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Pressespiegel & Aktuelles - Archiv von Wolfgang Schuster

Beachten Sie bitte, dass dieser Artikel vor 3822 Tagen veröffentlicht wurde.

Vernachlässigt oder misshandelt

Jugendamt nimmt im Lahn-Dill-Kreis 63 Mal Kinder in Obhut

Wetzlar / Dillenburg. 63 mal hat das Jugendamt des Lahn-Dill-Kreises im vergangenen Jahr Kinder und Jugendliche aus ihren Familien geholt. Die Gründe: Meist waren die Eltern überfordert, hatten ihren Nachwuchs vernachlässigt oder sogar misshandelt. Die Kinder und Jugendlichen wurden dann in Heimen oder Pflegefamilien untergebracht. Im Amtsdeutsch heißt das Inobhutnahme wegen Gefährdung des Kindeswohls.

Der Kreis musste für die Unterbringung in Heimen und Pflegefamilien insgesamt 380.000 Euro zahlen. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Zahl der Inobhutnahmen fast halbiert. 2012 musste das Jugendamt noch 120 mal eingreifen - so oft wie nie zuvor. Diese Daten stellte der Leiter der Behörde, Andreas Kreuter, Kreistagsabgeordneten in einer Sitzung des Kreis-Jugendausschusses vor. Sie gelten für das Kreisgebiet, mit Ausnahme von Wetzlar. Die Stadt hat ein eigenes Jugendamt. Nach Angaben des Abteilungsleiters Soziale Dienste der Stadt, Torsten Menges, musste das Wetzlarer Jugendamt vergangenes Jahr weitere 29 Kinder beziehungsweise Jugendliche in Obhut genommen.

Die meisten der im Lahn-Dill-Kreis betroffenen Kinder (18) waren bis zu drei Jahre alt. Danach folgt die Altersgruppe der 16- bis 18-Jährigen (12) - sie meldeten sich häufig selbst.

482 Mal haben sich Menschen im vergangenen Jahr an das Kreis-Jugendamt gewandt. Sie berichteten den Sozialarbeitern ihre Beobachtungen; von angeblich verwahrlosten, vernachlässigten oder misshandelten Kindern beziehungsweise Jugendlichen, also vom Verdacht einer "Kindeswohlgefährdung". Betroffen waren insgesamt 754 Kinder oder Jugendliche.

482 Mal wurde der Verdacht auf Gefährdung des Kindeswohls gemeldet

Nach Angaben von Jugendamtsleiter Kreuter gab es nirgendwo sonst in Hessen so viele Meldungen wegen Kindeswohlgefährdung. 2012 waren es 523 Meldungen, auch das ein Höchstwert. Innerhalb des Lahn-Dill-Kreises gab es voriges Jahr die meisten Meldungen aus Dillenburg (70), Herborn, Haiger (je 55) und Braunfels (27). Die meisten in Obhut genommenen Kinder stammten ebenfalls aus Dillenburg (12), weiterhin aus Sinn (8), Haiger (7), Braunfels (5) und Herborn (4). Vor allem die Polizei meldete dem Jugendamt den Verdacht auf Kindeswohlgefährdung. Es folgten (Reihenfolge nach Anzahl der Meldungen) anonyme Hinweise, Meldungen von Bürgern, von Trägern sozialer Einrichtungen, Familien, Gerichten und Ämtern, Schulen, Vätern beziehungsweise Müttern der betroffenen Kinder, Nachbarn, Ärzten, Kindergärten und schließlich Meldungen der Kinder und Jugendlichen selbst.

Die Entscheidung, ob Kinder schließlich aus Familien genommen werden und zur Sicherheit in Heim oder Pflegefamilien kommen, trifft das Jugendamt.

Laut Kreuter ist die Zahl der Meldungen im vergangenen Jahrzehnt stark angestiegen. Grund: Die Öffentlichkeit sei durch die Berichterstattung über misshandelte und getötete Kinder, wie "Kevin" in Bremen oder "Siri" in Wetzlar, über das Thema Kindesmisshandlung sensibilisiert worden.

Seminar

"Schutz des Kindeswohls in der Jugendarbeit" – so lautet der Titel eines Seminars, das die Kreisverwaltung am 17. Mai (Samstag) von 10 bis 15.30 Uhr im Kreisjugendheim in Heisterberg für Gruppenleiter und Multiplikatoren aus der Kinder- und Jugendarbeit anbietet.

Denn: Kinder und Jugendliche entwickelten zu ehrenamtlichen Betreuern ein besonderes Vertrauensverhältnis und gewähren diesen häufig Einblick in ihre private Lebenssituation. Um dieser besonderen Anforderung gerecht werden zu können, brauchen die Betreuer auch Wissen darüber, was Kindeswohlgefährdung bedeutet und durch welche Risikofaktoren sie begünstigt wird.

Das Seminar wird vom Fachdienst Kinder- und Jugendförderung des Lahn-Dill-Kreises organisiert. Die Teilnahme kostet 15 Euro.

Infos in der Kreisverwaltung: Marta Orantek, Telefon (0 64 41) 4 07 15 55.

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