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Pressespiegel & Aktuelles - Archiv von Wolfgang Schuster

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Arzt-Notruf: Ministerium prüft

Dillenburg/Wetzlar/Wiesbaden. Der Fortbestand des Arzt-Notrufs (ANR) im Lahn-Dill-Kreis ist nun auch ein Thema im hessischen Sozialministerium.

In der Rettungsdienst-Leitstelle in Wetzlar sitzt ein Arzt und nimmt die Anrufe von Patienten an Wochenenden, feiertags sowie nachts entgegen, also dann, wenn die Praxen geschlossen sind. Er gibt Tipps und organisiert gegebenenfalls den Einsatz eines Hausarztes oder des Rettungsdienstes. 240 Ärzte im Kreis stehen hinter dem ANR.

Der Hessische Landkreistag wünscht sich dieses Arzt-Notrufsystem in allen 25 hessischen Leitstellen. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen will stattdessen zwei Call-Center (& 11 61 17), eins in Frankfurt , eins in Kassel, und hat das Projekt bereits vorgestellt. Die KV ist die Interessenvertretung der niedergelassen Ärzte und Psychotherapeuten. Es könnte das Aus für den ANR im Lahn-Dill-Kreis bedeuten.

Schreiben an Grüttner

Deshalb hat sich auch schon der Kreistag mit dem Thema befasst (wir berichteten). Der CDU-Fraktionschef im Kreistag und Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer hatte in der Kreistags-Sitzung Ende Mai erklärt: "Wir werden das Sozialministerium einschalten." Er habe bereits Hessens Soziaminister Stefan Grüttner (CDU) angeschrieben.

Bislang ist noch nichts geschehen. Es ist somit noch offen, ob und wie sich das Ministerium einschalten will und überhaupt kann. Eine Ministeriums-Sprecherin kündigte allerdings jetzt auf Anfrage dieser Zeitung an: Das Anliegen von Herrn Irmer solle diese Woche geprüft werden.

"Nicht den Hahn zudrehen"

Der Vorsitzende des Vereins "Arzt Notruf e. V.", der Solmser Arzt Dr. Georg Müller, hatte zunächst gar keine Gefahr für den ANR im Lahn-Dill-Kreis gesehen. Gegenüber dieser Zeitung hatte er berichtet, er habe von der KV die mündliche Zusage über den Fortbestand des Arzt-Notrufs.

Mit dieser Aussage konfrontiert sagte KV-Vorsitzender Frank Dastych in einer Pressekonferenz in Frankfurt allerdings: "Dr. Müller hat mit keinem von uns gesprochen." Nicht mit ihm, mit seinem Stellvertreter oder dem Vorstand der KV-Vertreterversammlung.

Müller erklärte daraufhin, er habe mit dem zuständigen Abteilungsleiter der KV gesprochen. Und er stellte nochmals klar: "Die KV hatte wegen des ANR keine Kosten. Die Ärzte im Lahn-Dill-Kreis finanzieren ihn zusammen mit den Krankenkassen. Deshalb kann uns die KV auch nicht den Hahn zudrehen." Laut Dastych ist "über das Schicksal des ANR noch keine Entscheidung gefällt". Dr. Müller setzt auf ein Gespräch Anfang Juli mit der KV. Und: "Wir sind felsenfest davon überzeugt, dass sich das Arzt-Notruf-System mit zwei Call-Center vereinbaren lässt."

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