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Pressespiegel & Aktuelles - Archiv von Wolfgang Schuster

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Braunfels feiert mit Newbury

Redner würdigen Gründer der deutsch-britischen Partnerschaft

Braunfels. Es war eine würdige Feier in einem würdigen Rahmen. Braunfels und Newbury haben ihre Verschwisterung vor 50 Jahren mit einem Empfang im Innenhof des Braunfelser Schlosses gefeiert.

Möglich wurde dieses Fest, weil Johann Graf von Oppersdorff-Solms-Braunfels und seine Ehefrau Marie-Gabrielle ihren aus dem 13. Jahrhundert stammenden für die Partnerschaft öffneten.

Die Gräfin begrüßte die Gäste und wies darauf hin, dass Newbury und Braunfels ähnlich wie Eheleute nach 50 Jahren ein goldenes Ehejubiläum feiern. Es sei ihr eine Freude, das Schloss für dieses Jubiläum zu öffnen. Sie erinnerte daran, dass sich junge Menschen nach dem Schrecken des Zweiten Weltkrieges in Städtepartnerschaften verschwistert haben. „Halten Sie die Partnerschaft am Leben“, so die Gräfin. Den Gästen wünschte sie, dass sie gute Erinnerungen mit nach Hause nehmen.

Besucher aus allen Partnerstädten kamen in den Schloss-Innenhof

Nicht nur britische Gäste, sondern Besucher aus allen Partnerstädten von Braunfels waren bei herrlichem Sommerwetter in den Innenhof gekommen. Mit dabei waren auch Bürgermeister Bernd Heine (Waldsolms), der Wetzlarer Partnerschaftsdezernent Karlheinz Kräuter und der Braunfelser Stadtverordnetenvorsteher Volker Zimmerschied. Einer der ältesten Gäste war der 87-jährige Gerold Friedrich, der 1964 als Stadtverordneter die Partnerschaft mit Newbury im Parlament mit beschlossen hatte. Der damalige Bürgermeister Heinz Hermanns, der im Rheinland lebt, hatte schriftliche Grüße übermittelt.

Landrat Wolfgang Schuster würdigte die fünf Jahrzehnte andauernde Partnerschaft. Dabei erinnerte er daran, dass der Erste Weltkrieg vor 100 Jahren und der Zweite Weltkrieg vor 75 Jahren ausbrachen. Vor 25 Jahren fiel die Mauer zwischen Ost und West. Schuster dankte für die lange anhaltende Freundschaft und den Frieden. Der Friede sei Grundlage für eine gute Zukunft.

Der Braunfelser Bürgermeister Wolfgang Keller wies darauf hin, dass die Menschen damals so kurz nach dem Krieg mit der Verschwisterung einen Beitrag zur Europäischen Union geleistet haben. Auf der Grundlage der einst geschlossenen Freundschaften, so sei er überzeugt, würden auch in Zukunft weitere Freundschaften geschlossen. Angesichts der Probleme in Osteuropa könne man sehen, wie wichtig solche Partnerschaften sind. Keller dankte den Gastfamilien, den Partnerschaftskomitees und den Helfern, die die Feiern ermöglichen.

Newburys Bürgermeisterin Jo Day berichtete, dass ihre Familie vor 50 Jahren zwei junge Damen aus Braunfels aufgenommen habe. An diese Zeit habe sie noch gute Erinnerungen. Allerdings habe sich der Kontakt über die Jahre verloren. Nun sei sie zum ersten Mal in Braunfels und es gefalle ihr gut. Day dankte den Braunfelsern für die Freundschaften, die sie mit den Bürgern Newburys pflegen.

Höhepunkt des Festes war die Unterzeichnung der Urkunden und damit die Bekräftigung der Partnerschaft. Auch der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Braunfels war ein besonders feierlicher Moment.

Nassovia Frohsinn sorgt für den musikalischen Rahmen

Der CDU-Landtagsabgeordnete Hans-Jürgen Irmer sagte, die 50 Jahre andauernde Partnerschaft sei eine beachtliche Leistung, gerade wenn man bei anderen Kommunen sehe, dass Partnerschaften wieder eingestellt werden. Europa lebe, weil Menschen aus verschiedenen Ländern zusammenkommen. Die Politik könne die Rahmenbedingungen für eine Partnerschaft schaffen, aber die Bürger müssten sie mit Leben füllen. Für Frieden und Freiheit lohne sich die Mühe der Begegnungen. Er hoffe, dass junge Menschen diese Idee aufgreifen und auch in den nächsten 50 Jahren die Partnerschaft weiter bestehe.

Der Vorsitzende des Partnerschaftsrings, Günter Jakob, ging in einem Vortrag auf die Geschichte der Beziehungen zu Newbury ein. Dabei berichtete er, dass es in der Nachkriegszeit für junge Menschen nahezu die einzige Möglichkeit war, über den Partnerschaftsaustausch andere Länder kennenzulernen. Damals sei in der Bürgerschaft die Partnerschaft durchaus umstritten gewesen. Man habe öffentlich das Für und Wider diskutiert. Über die Verschwisterung hätten Menschen entschieden, die das Glück hatten, aus dem Krieg zurückzukehren. Mit den Partnerschaften haben sie sich eingesetzt, damit nachfolgenden Generationen diese schlimmen Erfahrungen erspart bleiben. Mit den Städtepartnerschaften habe Deutschland die Hoffnung verbunden, wieder in die zivilisierte europäische Staatengemeinschaft zurückzukehren. Jakob dankte den Bürgern von Newby, die damals den Mut hatten, ein Ja zur Partnerschaft mit Braunfels zu sagen. Schließlich hatten auch sie Deutschland als Kriegsgegner kennengelernt. Es sei das Verdienst dieser Menschen, dass die Jugend heute in Frieden und Wohlstand in der EU leben könne. Vor diesem Hintergrund sei es wünschenswert, den Schüleraustausch wieder aufleben zulassen.
Für einen würdigen musikalischen Rahmen der Feier sorgten der Männergesangverein Nassovia Frohsinn Philippstein unter der Leitung von Reiner Odenwald und das Blasorchester der Freiwilligen Feuerwehr Philippstein. Sie hatten gemeinsam die Veranstaltung musikalisch mit Beethovens „Freude schöner Götterfunken“, eröffnet. Die Bläser spielten auch die Nationalhymnen von Großbritannien und Deutschland.

Im Anschluss an die Feier im Innenhof des Schlosses wurden im Kurpark weitergefeiert. Dort trat dann auch der Braunfelser Volkstanzkreis auf.

Wetzlarer Neue Zeitung vom Montag, 28. Juli 2014, Seite 16

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