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Pressespiegel & Aktuelles - Archiv von Wolfgang Schuster

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Brücken verbinden EuropaBrücken verbinden Europa

Schüler aus acht Nationen bauen Modelleisenbahnanlage

VON CHRISTIAN RÖDER

Dillenburg. Das Brandenburger Tor steht direkt neben dem Wilhelmsturm. Die Akropolis grenzt gleich an den Ostseestrand. Auf der sechs mal sechs Meter großen Fläche reihten sich Sehenswürdigkeiten im Miniaturformat aus acht EU-Staaten aneinander. Zwischen den kleinen Ländern verkehrte rauschend der „Comenius-Express“, eine Lokomotive im Maßstab H0. Die große Modelleisenbahnanlage wurde im Rahmen eines „Europafestes“ erstmals zusammengesetzt und der Öffentlichkeit präsentiert.

Federführend hatten die Gewerblichen Schulen Dillenburgs bereits vor drei Jahren das Comenius-Projekt „Train for Europe – The Comenius-Express“ ins Leben gerufen. Ihrem Namen als „Europaschule“ machten die Gewerblichen Schulen Dillenburgs somit alle Ehre. „Bevor so etwas entstehen kann, muss man erst einmal eine Idee haben“, sagte Schulleiter Paul Alhäuser.

Die entstand 2010, als Berufsschullehrer Torsten Reh den Einfall hatte, gemeinsam mit möglichst vielen europäischen Partnern „Europa zu gestalten“. Innerhalb kürzester Zeit seien über 400 E-Mails bei Reh eingegangen. Schulen aus Deutschland, Österreich, der Tschechischen Republik, Griechenland, Ungarn, Italien, Polen und Spanien gründeten im Winter 2010/11 die (Modell-) Eisenbahngesellschaft.

Besonders interessant sei das Comenius-Projekt durch die Teilnahme unterschiedlicher Schulformen und somit auch Altersklassen geworden, erklärte Alhäuser. Polnische und spanische Grundschüler seien ebenso dabei gewesen wie österreichische, griechische und italienische Gymnasiasten oder ungarische und tschechische Gesamtschüler, freute sich der Schulleiter. „Es ging uns vor allem darum, junge Menschen miteinander in Kontakt zu bringen und über das Projekt hinausgehende Freundschaften zu knüpfen“, sagte Alhäuser.

Bei Projekttreffen in den einzelnen Teilnehmerländern bauten die Schüler zudem gemeinsam an dem, was am Ende stehen sollte: der Modelleisenbahnanlage „Comenius-Express“, die aus acht unterschiedlichen Modulen zusammengesetzt und über Brücken verbunden ist.

Besonderes Schmankerl sind neben den detailverliebten Anlagen und den Brücken die großen Monitore, die über jedem Modul auf länderspezifische Eigenheiten hinweisen und die jeweilige Kultur näher vorstellen. „Die Gewerblichen Schulen sind somit Botschafter Dillenburgs und des Kreises“, sagte Alhäuser.

Als „alter Eisenbahner“ bewertete auch Landrat Wolfgang Schuster (SPD) die länderübergreifende Lokomotive. In seinem Grußwort verteidigte er die „Wertegemeinschaft Europa“, die mehr sei als eine bloße Währungsunion: „Europa heißt Frieden und Demokratie.“ Gerade in Anbetracht anstehender Krisen wie dem Klimawandel oder dem demografischen Wandel könne sich kein Land Europas einen Alleingang oder einen Rückzug auf den Nationalstaat erlauben. Der Landrat erinnerte daran, dass es noch immer verschiedene Spurweiten innerhalb der europäischen Gleissysteme gebe. „Möge das Comenius-Projekt dazu beitragen, dass Europa wieder in eine einheitliche Spur gelangt“, sagte er augenzwinkernd.

Lob von Riedesel: „Diese Schüler leben die europäische Idee“

Dillenburgs Bürgermeister Michael Lotz (CDU) betonte, wie wichtig internationale Aufenthalte und Austauschprogramme für junge Menschen seien, um sie mit der „Idee Europa“ bekannt zu machen. „Gemeinschaftliche Schulprojekte garantieren eine harmonische Zukunft der EU“, sagte er. Gerd Hackenberg von der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lahn-Dill und Matthias Riedesel vom Staatlichen Schulamt lobten den „Comenius-Express“ als gutes Ergebnis für Europa. „Es kann nur von Vorteil sein, wenn bereits junge Menschen zusammenarbeiten“, sagte Riedesel: „Diese Schüler leben die europäische Idee.“

Bereits einige Tage vor der Präsentation waren die Delegationen aus den EU-Ländern nach Dillenburg gereist. Neben der Erkundung der Oranienstadt standen auch ein Trip nach Frankfurt und natürlich die letzten Arbeiten an der Modelleisenbahnanlage auf dem Plan.

Musikalisch wurde das „Europafest“ von dem Bereich Sozialpädagogik der Gewerblichen Schulen unter Leitung von Frank Schröter begleitet. Die angehenden Köche des Hauses kümmerten sich um ein reichhaltiges Angebot an internationalen Gerichten. Das gesamte „Europafest“ wurde mittels Livestream per Internet übertragen.
Somit konnten auch die daheimgebliebenen Projektteilnehmer an der Jungfernfahrt des „Comenius-Express“ teilhaben – und sich zwar nicht von der geografischen Richtigkeit des Modells, wohl aber von dessen ideellem Wert überzeugen.

Dill-Post vom Freitag, 24. Mai 2013, Seite 23

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