Buderus prägte die Stadt Wetzlar

Historische Fotos

Wetzlar. Eine sehenswerte Ausstellung ist im Foyer der Firmenzentrale der Bosch Thermotechnik GmbH in der Sophienstraße eröffnet worden: „Buderus von 1895 bis 1928“ zeigt anhand historischer Fotos und Dokumente die frühe Geschichte des für die Stadt Wetzlar so prägenden Unternehmens.

„Hausherr“ Markus Relecker, Kaufmännischer Leiter der Bosch Thermotechnik und Standortleiter, eröffnete die Schau, die sich mit dem Wandel der Firma Buderus – heute zum Teil in der Bosch-Gruppe – vom Roheisenproduzenten zum Gießereiunternehmen in den Jahren 1895 bis 1928 beschäftigt.

Mit dem Unternehmen kam ab 1911 der Strom nach Wetzlar

Zur Vernissage waren Regierungspräsident Lars Witteck, Landrat Wolfgang Schuster (SPD) und Oberbürgermeister Wolfram Dette (FDP) erschienen. Alle drei dankten dem Unternehmen für die Art und Weise, wie Bosch/Buderus mit seiner Geschichte umgehe und sie öffentlich mache. „Für Ihre historische Aufarbeitung ist Ihnen eine ganze Region dankbar“, sagte Witteck. Der Landrat nannte es „unabdingbar, Geschichte zu kennen, zu zeigen und öffentlich zu machen, damit klar wird, dass 70 Jahre Frieden in unserem Land keine Selbstverständlichkeit sind“.

OB Dette bezeichnete Strom als „Lebenselixier der Neuzeit“. Für Wetzlar habe das „Strom-Zeitalter“ 1911 begonnen, als der Strom, der bereits von Buderus gebraucht und genutzt wurde, seinen Weg aus dem Werk hinaus in die Stadt hinein und diese dadurch sukzessive Anbindung an die Stromenergie fand.

Relecker, Witteck, Schuster und Dette fanden anerkennende und motivierende Worte für Historiker Dr. Rainer Haus aus Rodheim-Bieber, der als Person hinter der geschichtlichen Aufarbeitung speziell auch der Buderus-Unternehmenshistorie, aber auch der Bergbau- und Eisenbahngeschichte der Region steht.

Haus erläuterte in einem Vortrag Sinn, Hintergründe und Konzept der Ausstellung und präsentierte zum Abschluss drei originale Bücher aus dem Jahr 1922, die sich mit der Kriegswirtschaft des Ersten Weltkrieges befassten und wegen der teils kritischen Beleuchtung der Ereignisse schon unmittelbar nach ihrem Erscheinen auf Veranlassung des Reichswehrministeriums nicht nur verboten, sondern allesamt bis auf einen kleinen Restbestand vernichtet wurden. Diese drei Bücher, echte Raritäten, werden in der Ausstellung im Foyer der Bosch-Zentrale erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Haus sprach von einer „Premiere von überregionaler Bedeutung“ und ging dabei besonders auf den von Alfred Stellwaag verfassten Band über „Die deutsche Eisenwirtschaft während des Krieges“ ein. Rainer Haus hatte das Werk – erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg – im Rahmen seiner in den 1980er Jahren an der Uni Gießen entstandenen Doktorarbeit über Lothringen und Salzgitter ausgewertet.

Wer sich die historische Ausstellung in der Sophienstraße 30-32 näher anschauen möchte, hat dazu bei öffentlichen Sonderführungen mit Rainer Haus am am 9., 16. und 23. Januar jeweils um 16 Uhr Gelegenheit.

Zum Abschluss der Ausstellung referiert Haus am 30. Januar ab 18 Uhr in der Ausstellung im Foyer der Hauptverwaltung über die Person, das Wirken und die Bedeutung des damaligen Buderus’schen Bergwerksdirektors Dr. Wilhelm Witte, dessen großformatiges Porträt ebenfalls Teil der Ausstellung ist.
Dill-Zeitung vom Montag, 22. Dezember 2014, Seite 20

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