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Pressespiegel & Aktuelles - Archiv von Wolfgang Schuster

Beachten Sie bitte, dass dieser Artikel vor 456 Tagen veröffentlicht wurde.

Lahn-Dill-Kreis

„Das ganze System ist an einer Belastungsgrenze“

Wetzlar (epd). Der Landrat des Lahn-Dill-Kreises, Wolfgang Schuster (SPD), hält angesichts hoher Flüchtlingszahlen die Reserven der Kommunen für erschöpft. „Das ganze System ist an einer Belastungsgrenze“, sagte Schuster in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Irgendwann müssten die Kommunen sagen: „Wir können nicht mehr.“ Bei anhaltend hohen Zuzugszahlen schließe er Obdachlosigkeit unter den Flüchtlingen nicht aus.

Mehr Geld vom Bund reiche für die Lösung des Problems nicht aus. „Geld steht am Ende des Weges. Erstmal muss man die Leute unterbringen. Aber uns gehen die Wohnungen aus.“ Der Lahn-Dill-Kreis nehme pro Woche etwa 60 Geflüchtete auf. Rund zwei Drittel stammten aus der Ukraine, die anderen aus Ländern wie Syrien, Afghanistan, Iran, Türkei oder Russland. In zwei Zeltunterkünften in Haiger und in Wetzlar stünden etwa 800 Plätze zur Verfügung. Die Flächen würden demnächst aber anderweitig benötigt. Ohnehin sei die Unterbringung in Zelten „ein elendiger Kompromiss“.

Aktuell lebten 5.500 Flüchtlinge im Kreis, bei anhaltenden Zuzügen könnten es Ende des Jahres weitere 3.000 Menschen sein. Der Lahn-Dill-Kreis habe bereits Flüchtlinge in der Zahl einer Großgemeinde aufgenommen, „jetzt nehmen wir die zweite Großgemeinde auf“. Für diese Menschen brauche man aber auch eine entsprechende Infrastruktur.

Überall fehle es an Personal und Kapazitäten, berichtete der Landrat. Für die Betreuung der Flüchtlinge in den Unterkünften bestünden Verträge beispielsweise mit dem Roten Kreuz, den Maltesern und mehreren Caterern: „Das ist nicht unendlich steigerungsfähig.“

Die eigenen Mitarbeiter in der Ausländerbehörde und im Fachdienst Soziales und Integration seien „in purem Dauerstress“. In Kitas werde „händeringend“ Personal gesucht. Auch bei der ärztlichen Versorgung gebe es Engpässe, da viele Hausärzte die Altersgrenze erreicht hätten. Relativ gut laufe es in den Integrationsklassen der Schulen, in denen die geflüchteten Kinder beschult werden.

„Das System kollabiert, wenn es keine europäische Lösung gibt“, warnte Schuster. „Es kann nicht sein, dass Deutschland auf dem Rücken der Kommunen die meisten Flüchtlinge aufnimmt.“

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