„Das Kind hat jetzt laufen gelernt“

Seit Mittwoch hat die Region offiziell einen „Nationalen Geopark“

VON SIEGFRIED GERDAU

Marienstatt. Am Mittwoch hat der GEOPARK Westerwald-Lahn-Taunus in Marienstatt bei Hachenburg die Zertifizierung „Nationaler Geopark“ erhalten. Über 60 Gäste aus Politik und Wirtschaft nahmen an dem offiziellen Akt in der Annakapelle des 800 Jahre alten Zisterzienser-Klosters teil.

Der Hausherr des malerischen Klosters an der Nister, Abt Andreas Range, betonte, dass es eine Ehre für das Kloster in dem geologisch und kulturell bedeutenden Tal sei, dass diese Veranstaltung hier stattfände.
Er sei, anders als auf theologischem Terrain, in der Geologie völlig unbeleckt und daher sehr neugierig. Bevor der Präsident der GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung, Professor Manfred Strecker, einen Einblick in Aufgaben und Zielrichtungen der 14 bundesweit ausgewiesenen Geoparks gab, begrüßte der 1. Kreisbeigeordnete des Westerwaldkreises, Kurt Schüler, die Gäste und sprach von einem wichtigen Schritt in die Zukunft.
Vier Landkreise (Lahn-Dill-Kreis, Westerwaldkreis, Kreis Altenkirchen und Landkreis Limburg-Weilburg), vertreten durch die Landräte Wolfgang Schuster, Manfred Michel (Limburg-Weilburg), Achim Schwickert (WW-Kreis), sowie dem 1. Kreisbeigeordneter Konrad Schwan (Altenkirchen), seien Bundesland übergreifend an diesem gerade für den Tourismus in der heimischen Region so wichtigen Projekt beteiligt.
Die Entwicklung von Geoparks wäre schon seit 20 Jahren eine weltweite Bewegung, referierte Strecker, und sie sei mittlerweile sogar durch die UNESCO aufgewertet worden.
„Ein Geopark ist ein Fenster in die Erdgeschichte, und das kann in den unterschiedlichsten Formen wie Steinbrüche oder Höhlen auftreten“, so der Professor.

Die inneren Zusammenhänge unseres Erdsystems verdeutlicht

„Durch die pädagogische Aufbereitung werden Besuchern die inneren Zusammenhänge des Erdsystems verdeutlicht. Ein weiterer Antrieb ist sicher auch der Schutzgedanke gegenüber dem geologischen Bestand in den Parkräumen“, so der Wissenschaftler.
Diese seien in der Regel größer als ein Landkreis, aber kleiner als ein Bundesland.
Den Antrag auf nationale Anerkennung als GEOPARK Westerwald-Lahn-Taunus stellte vor etwas über zwei Jahren die Geschäftsstelle in Weilburg-Braunfels.
Eine siebenköpfige Expertenkommission bereiste anschließend das gesamte Gebiet, zu dem auch die Besucher-Grube Fortuna in Solms-Oberbiel, das Breitscheid-Erdbacher Höhlensystem „Zeitsprünge“, die Kristallhöhle in Kubach und der Stöffelpark in der rheinland-pfälzischen Gemeinde Enspel gehören.
Im November 2012 mussten Vertreter des Geoparks vor den Gremien der GeoUnion die Besonderheiten des GEOPARK Westerwald-Lahn-Taunus vorstellen, ihren Antrag verteidigen und die Fragen der Experten beantworten.
Staatssekretär Ingmar Jung aus dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst lobte das Engagement des ebenfalls anwesenden Gießener Regierungspräsidenten Lars Witteck bei der Umsetzung des Vorhabens.
„Diese Projekte werden nicht nur in wissenschaftlichen Zirkeln diskutiert, sondern der Steuerzahler bekommt in besonderer Weise wieder etwas zurück“, meinte Jung.
Sein Mainzer Kollege, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland-Pfalz Uwe Hüser, wies darauf hin, dass im Westerwaldkreis und dem Kreis Altenkirchen/Neuwied im vergangenen Jahr 500 Millionen Euro Umsatz im Bereich Touristik gemacht worden seien. Mehr als 10 000 Menschen hätten hier ein Auskommen gefunden. Wolfgang Schuster zog mit seiner Aussage „Das Kind (GEOPARK) hat laufen gelernt“ nach und sagte in Richtung des Hausherrn von Marienstatt: „Aber im Gegensatz zu den Gepflogenheiten in der Kirche wurde es heute nicht auf Lebenszeit getauft, sondern nur auf fünf Jahre“. Damit spielte er auf die Laufzeit des Zertifikates an, das danach erneuert werden muss. Der Weilburger Bürgermeister Hans-Peter Schick sprach allen Akteuren Dank für die Zusammenarbeit zwischen dem Geschäftsstellen-Team und dem wissenschaftlichen Beirat aus.

Wetzlarer Neue Zeitung vom Samstag, 30. März 2013, Seite 15

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