"Den Westerwald über Kreis- und Landesgrenzen hinweg als Region verstehen"

Das 1. Westerwaldforum Verkehrsinfrastruktur/Öffentlicher Personennahverkehr fand in Hachenburg statt.

Diesen Ansatz verfolgen die Sozialdemokraten aus den Landkreisen Altenkirchen, Lahn-Dill, Limburg-Weilburg, Neuwied, Rhein-Lahn, Rhein-Sieg und Westerwald mit den Westerwaldforen zu verschiedenen Zukunftsthemen.

Das 1. Westerwaldforum "Verkehrsinfrastruktur/Öffentlicher Personennahverkehr" fand in Hachenburg statt. Hierzu hatten die Sozialdemokraten eine mit dem rheinland-pfälzischen Verkehrsminister Hendrik Hering, den Bundestagsabgeordneten Sabine Bätzing und Dr. Frank Schmidt, den Landräten Wolfgang Schuster (Lahn-Dill) und Rainer Kaul (Neuwied), den Landtagsabgeordneten Frank Puchtler, Harald Schweitzer, Dr. Matthias Krell und Thorsten Wehner sowie Dietmar Tendler, Aufsichtsratsvorsitzender des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg, hochkarätig besetze Expertenrunde zusammengerufen. Mit diesen diskutierten im großen Sitzungssaal der Verbandsgemeindeverwaltung in Hachenburg eine Reihe von kommunalpolitischen Entscheidungsträgern und am Thema interessierte Bürgerinnen und Bürger.

Weltweiter Handel, Zufahrtswege, Straßenbau. In Zeiten der Globalisierung muss man mehr denn je das große Ganze im Blick haben, wenn es um regionale Entscheidungen in der Verkehrsinfrastruktur geht. "Es gibt keine singuläre Betrachtung mehr", betonte daher MdB Dr. Frank Schmidt und verkündete, dass der Verkehrsetat im Bundeshaushalt 2008 stolze 13,2 Milliarden betragen wird. Auch für die Zukunft des Westerwaldes und seine Verkehrsinfrastruktur sind die Mittel des Bundes von entscheidender Bedeutung. Schließlich verfolgt man das Ziel, den Westerwald „verkehrsmäßig besser zu erschließen", wie Verbandsbürgermeister Peter Klöckner gleich zu Beginn herausstellte.

Das Dilemma besteht darin, dass die Region zwar sehr gut mit Autobahnen umgeben sei, wie Minister Hendrik Hering betont, aber effiziente Anbindungen fehlen. Deshalb soll systematisch eine „leistungsfähige West-Ost-Verbindung" zwischen der A 3 und der A 45 geschaffen werden. Ursprünglich sollte die Region durch eine Westerwaldautobahn besser erschlossen werden. Diese sei jedoch „heute nicht mehr finanzierbar", betonte Hering. Zudem würde man wohl kein Baurecht bekommen. Stattdessen hat nun der Ausbau der B 8 / B 414 für die Ost-West-Verbindung Priorität. Dafür ist es notwendig, die Umgehungen Hasselbach, Uckerath und Kirburg zu realisieren, die bereits im Verkehrswegeplan enthalten sind. „Wir werden zeitnahe Fortschritte erzielen", versicherte Hering.

In ländlichen Regionen ist das Straßennetz auch in Zukunft von zentraler Bedeutung. Gut erschlossene Gebiete verzeichnen einen Bevölkerungszuwachs, während eine schwache Infrastruktur mit rückläufigen Zahlen einhergeht. „Man muss die Verkehrswege so gestalten, dass sie für die Menschen realisierbar sind", forderte MdL Frank Puchtler. So habe das Land bereits beschlossen, „die Mittel für den Straßenbau noch mal deutlich zu erhöhen", erklärte Hering.

Einen Aufwärtstrend erfährt derzeit der Schienenverkehr. Nicht nur in Europa sei der Güterverkehr um 40 Prozent gestiegen, auch in Rheinland-Pfalz könne man erstmals einen höheren Anstieg des Gütertransportes auf der Schiene als auf der Straße verzeichnen, so Hering. Doch der Personennahverkehr auf der Schiene weist weiterhin Defizite auf, was nicht nur die mangelnde Auslastung der Bahnstrecke zwischen Au und Limburg belegt. Hildegard Jöris, langjährige Bus- und Bahnfahrerin, schilderte eindrucksvoll, wie sich eine (Irr-)Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Hillscheid nach Koblenz gestaltet. Verschiedene Tarife, die fehlende Abstimmung von Bus- und Bahnfahrzeiten sowie mangelnde Anschlussverbindungen schrecken die Fahrgäste ab. „Ein Wahnsinn ist das", empört sich Jöris, „und am Wochenende kommt man überhaupt nicht weg." Besonders für Jugendliche sei es oft unmöglich zum Ausbildungsplatz zu gelangen, kritisierte auch Michael Birk, Geschäftsführer einer Werbeagentur und Mitglied im Verkehrsauschuss des Westerwälder Kreistages. Der Region fehlt ein Tarif-Verkehrsverbund, indem sich die einzelnen Verkehrsbetriebe organisieren und für ein einheitliches System sorgen.

Der Landrat des Lahn-Dill-Kreises, Wolfgang Schuster, ergänzte, dass es nicht einmal möglich sei, von Herborn nach Rennerod zu gelangen, da es keinerlei Busverbindungen über die Landesgrenze hinweg gibt. Angebote, dies von hessischer Seite aus zu organisieren, wurden vom Westerwaldkreis bislang mit dem Hinweis auf die Kosten nicht weiter verfolgt.

Wie man die Probleme im ÖPNV lösen kann, verdeutlichte Dietmar Tendler vom Verkehrsverbund Rhein-Sieg (VRS). Hier schlossen sich 1988 30 Verkehrsunternehmen zusammen. Mittlerweile werden im VRS etwa 470 Millionen Fahrgäste pro Jahr transportiert. Mit Angeboten wie dem Schülerticket, dem „AktivTicket" für Senioren und anderen Abonnements macht man die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs für die Menschen attraktiv. „Der Individualverkehr ist bequemer und bietet eine höhere Flexibilität", ist sich auch Tendler bewusst. Da muss man durch ein aufeinander abgestimmtes Verkehrsnetz reizvolle Alternativen schaffen, die zur Entlastung des Straßenverkehrs beitragen können. Auch in einer ländlich strukturierten Region wie dem Westerwald.

Nach diesem erfolgreichen Auftakt der Westerwaldforen wollen die sieben SPD-Kreisverbände in der Region Westerwald die Reihe mit Themen wie Tourismus, Erneuerbare Energien oder Wirtschaft im kommenden Jahr fortführen.

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