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Pressespiegel & Aktuelles - Archiv von Wolfgang Schuster

Beachten Sie bitte, dass dieser Artikel vor 275 Tagen veröffentlicht wurde.

Lahn-Dill-Kreis

„Der Deutschkurs ist das Beste“

Geflüchtete Menschen absolvieren erste Praktikumsphase im Projekt „Arbeit und Asyl“ des Lahn-Dill-Kreises, der GWAB und der Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar

Gewissenhaft reinigen Kusai Alali und Ahmad Kleya die Schüsseln und Dosen, die jemand bei sich daheim aussortiert und als Spende zum „Anderen Kaufhaus“ nach Wetzlar gebracht hat. Das Second-Hand-Kaufhaus gehört zur Gesellschaft für Wirtschaftsförderung, Ausbildungs- und Beschäftigungsinitiativen mbH, kurz GWAB. Von Mitte Mai bis Ende Juni haben dort 15 Männer, die aus ihrem Heimatland fliehen mussten und nun im Lahn-Dill-Kreis Schutz gefunden haben, ein vierwöchiges internes Praktikum absolviert. Dies ist einer der drei Bausteine des Projektes „Arbeit und Asyl“, das der Lahn-Dill-Kreis, die GWAB und die Agentur für Arbeit Limburg-Wetzlar im Frühjahr ins Leben gerufen hatten und heimische Unternehmen zur Kooperation aufgerufen hatten.

Je nach Interesse und Vorkenntnissen arbeiteten die Geflüchteten für die Kochkiste, die Haushaltswarenannahme des „Anderen Kaufhauses“, den Möbelbau, die Elektrozerlegung, als Lagerfahrer oder Maler und Lackierer. Drei Tage pro Woche haben sie gearbeitet und an den anderen beiden Tagen Deutsch gelernt.

Grundlegende Werte vermitteln, wie pünktlich zur Arbeit kommen

Für Kusai Alali und Ahmad Kleya steht eindeutig fest: „Das Beste war der Deutschkurs. Wir wollen Deutsch lernen“, betont Alali und Kleya nickt zustimmend. Die Deutschkenntnisse der beiden Syrer reichen für erste kleine Konversationen, viel klappt in Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen der GWAB aber auch übers Zeigen. In der Haushaltswarenannahme sind die beiden Kollegen, die am letzten Praktikumstag der Syrer mit Dienst haben, sehr zufrieden. „Sie sind eigenständig, sehen von sich aus, wann etwas erledigt werden muss und packen sofort mit an. Dass sie noch nicht gut Deutsch sprechen, ist für uns kein Problem“, sagt einer der Mitarbeitenden und lächelt Alali und Kleya an.

Die beiden Männer packen dann auch gleich die nächsten Kisten aus, die an der Rampe von einem Ehepaar abgegeben wurden. Altes Porzellan, einige Plastikschüsseln. Was kaputt ist, sortieren die Praktikanten gleich in die entsprechenden Abfallkisten.

Das Praktikum bei der GWAB vermittelte den Geflüchteten grundlegende Werte und Kenntnisse: Pünktlich und regelmäßig zur Arbeit kommen, an die notwendige Arbeitsschutzkleidung denken, sich selbst die Fahrten organisieren.

Projekt „Arbeit und Asyl“ wird neu ausgerichtet

„Für uns war das eine sehr wertvolle und schöne Erfahrung“, sagt Cigdem Aslanboga, eine der der GWAB-Mitarbeitenden, die das Projekt „Arbeit und Asyl“ koordinierte. Jetzt sei deutlich geworden, wo die Bedarfe der Geflüchteten liegen: „Sie wollen sehr gerne Deutsch lernen und sie möchten so schnell wie möglich Geld verdienen“, erklärt sie. Auch die Unterkunft hat für die Projekt-Teilnehmer eine große Rolle gespielt. „Wir waren im Zelt in Wetzlar. Da konnten wir nicht gut Deutsch lernen. Es war laut“, sagt Kusai Alali. Er versucht, sich neben den Deutschstunden bei der GWAB auch selbstständig die Sprache beizubringen. Jetzt leben er und Ahmad Kleya in einer festen Gemeinschaftsunterkunft des Lahn-Dill-Kreises. „Das ist viel besser“, sagt Alali.

Erste wichtige Erkenntnisse haben alle, die das Projekt „Arbeit und Asyl“ ins Leben gerufen haben, bereits gewonnen, bevor die Teilnehmenden in die letzte Phase gestartet sind und bei heimischen Unternehmen weitere Praxiserfahrungen sammeln konnten. „Ohne Deutschkenntnisse und grundlegende Kenntnisse über das Leben in Deutschland kommen die geflüchteten Menschen nur schwer im Arbeitsleben an“, sagt die Leiterin der Abteilung Soziales und Integration beim Lahn-Dill-Kreis, Anne Peter-Lauff. Wichtig sei deshalb zunächst, Deutsch- und Integrationskurse zu fördern. „Aktuell entwickeln wir und die GWAB das Konzept weiter und möchten in den größeren Gemeinschaftsunterkünften auch mit den Kommunen schauen, wie die Menschen vor Ort aufgefangen werden können“, erläutert sie. „Die Menschen brauchen kurze Wege, ein persönliches Hilfe-Netzwerk und die Zeit, sich an deutsche Arbeitsverhältnisse zu gewöhnen“, sagt GWAB-Geschäftsführerin Nicole Bodensohn.

Vernetzung von Behörden und Unternehmen wichtig

„Wir sind von Anfang an mit offenen Erwartungen an das Projekt herangegangen. In dieser Form ist es jedoch zu betreuungsintensiv, sodass wir einen neuen Weg finden werden“, sagt GWAB-Geschäftsführerin Nicole Bodensohn. Die Vernetzung mit der heimischen Wirtschaft und der Agentur für Arbeit habe aber auch gezeigt, dass nicht nur die Geflüchteten Interesse haben, schnell Arbeit zu finden, sondern auch die Unternehmen offen für internationale Arbeitskräfte sind – sofern die Bürokratie kein Hindernis darstellt. Deshalb sei eine enge Vernetzung der Behörden mit der Wirtschaft wichtig.

Acht Teilnehmer des Pilotprojektes konnten Ende Juni und Anfang Juli ihr vierwöchiges Praktikum bei regionalen Unternehmen starten. Auch dabei haben Cigdem Aslanboga und das Team der GWAB darauf geachtet, dass die Vorkenntnisse der Teilnehmer mit den Anforderungen des Unternehmens bestmöglich übereinstimmen. Der Großteil wird im Lager- und Logistikbereich eingesetzt. Einige von ihnen hoffen dann, nach Ende des unbezahlten Praktikums in ein reguläres Arbeitsverhältnis wechseln zu können. Zuvor hatte die GWAB sechs Teilnehmern noch ermöglicht, intern einen Staplerführerschein zu machen, um sich schnell eine gute Zukunft aufbauen zu können. Alle sechs haben die Prüfung bestanden.

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