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Die Datenautobahn kommt

Ausbau der schnellen Internetverbindungen: Kreistag stimmt zu

VON JÖRGEN LINKER

Wetzlar/Dillenburg. Der Ausbau der schnellen Internetverbindungen im Lahn-Dill-Kreis kann beginnen. Der Kreistag hat in seiner Sitzung am Montag in Wetzlar zugestimmt. Anschließend unterschrieben 21 Bürgermeister sowie deren Stellvertreter einen Vertrag über den Ausbau. Am heutigen Dienstag soll der Vertrag mit der Telekom besiegelt werden. Der erste Spatenstich ist am 1. August um 14 Uhr in Bischoffen geplant.

Der Vertrag mit der Telekom sieht eine Dauer der Arbeiten von maximal 30 Monaten vor. Das Telekommunikationsunternehmen muss also bis 31. Januar 2017 fertig sein. Bis dahin sollen im Lahn-Dill-Kreis 350 Kilometer Glasfaserkabel im Boden verlegt werden.

Das Kabel wird parallel zu den bisherigen Kupferkabeln (mit geringerer Datenübertragungsrate) verlegt – aber nicht bis zu den Hausanschlüssen, sondern nur bis zu den grauen Verteilerkästen in den Orten, die so genannten Kabelverzweiger. Davon gibt es rund 1000 im Lahn-Dill-Kreis. In den Kästen sind die Kabelstränge aus den umliegenden Häusern gebündelt, sie treffen dort auf das Glasfaserkabel. Die Telekom will diese Kabelverzweiger technisch aufrüsten. Dann soll das optische Signal, das über die Glasfasern übertragen wird, in ein elektronisches Signal umgewandelt und über die Kupferkabel auf der „letzten Meile“ zu den Häusern geleitet werden. Davon profitiert wiederum ein heimisches Unternehmen: Rittal liefert die Gehäuse der Kabelverzweiger.

Folge des Ausbaus: Bürger und Gewerbetreibende sollen ab 2017 Internetverbindungen haben, mit denen sie Daten mit einer Geschwindigkeit von mindestens 30 MBit pro Sekunde aus dem Internet herunterladen können.
Landrat Wolfgang Schuster (SPD) sprach gestern von einem „denkwürdigen Tag“. Der Bau einer Datenautobahn sei eines der größten Infrastrukturprojekte, das sich der Lahn-Dill-Kreis und die Städte und Gemeinden vornehmen.

Der erste Spatenstich für den Ausbau soll am 1. August in Bischoffen sein

Zuvor berichtete er dem Kreistag in Wetzlar über die Anfänge des Projekts: 280 Millionen Euro hätte das Verlegen von Glasfaserkabel bis zu den Häusern kosten sollen. „Da haben wir das Buch zugemacht.“ Man habe sich dann auf Glasfaser nur bis zu den Kabelverzweigern geeinigt. So koste der jetzige Ausbau etwa 50 Millionen Euro.

Allerdings sei die Telekom nur bereit gewesen, die Stadt Wetzlar sowie die Gemeinde Lahnau komplett zu erschließen und dafür die Kosten zu übernehmen, in den weiteren Städten und Gemeinden im Lahn-Dill-Kreis nur die wirtschaftlich lohnenden Gebiete. Damit aber sämtliche Dörfer schnelle Internetverbindungen erhalten, vereinbarten die restlichen 21 Kommunen sowie der Kreis, dass sie der Telekom gemeinsam die so genannte „Deckungslücke“ finanzieren, also einen entsprechenden Zuschuss zahlen. Die Summe beträgt 8,4 Millionen Euro, kommt die Umsatzsteuer noch hinzu – was noch unklar ist – wächst der Betrag auf 10 Millionen Euro. Die Hälfte zahlt der Kreis, die andere Hälfte teilen sich die 21 Städte und Gemeinden.

Diese Vereinbarung wurde am Montagabend, im Anschluss an die Kreistagssitzung, von den jeweiligen Bürgermeistern sowie deren Stellvertretern per Unterschrift besiegelt. Schuster: „Ich glaube, die Wirtschaft und die Bürger werden es Ihnen danken.“

Im Gegenzug lobte Solms Bürgermeister Frank Inderthal (SPD), der Vorsitzende der Bürgermeister-Kreisversammlung, den Landrat: „Wie eine Lokomotive hast Du das Projekt vorangetrieben – mit Deiner rustikalen Art.“
Zuvor hatten die Kreistagsabgeordneten über den Ausbau der schnellen Internetverbindungen diskutiert. Helmut Hund (CDU) kritisierte den Zuschuss an die Telekom. Das sei eine „Subventionierung“. Wenn man noch drei Jahre warte, werde man vielleicht gar nichts mehr an die Telekom zahlen müssen.

Schuster hielt dagegen und empfahl, „das Rad nicht anzuhalten“. Und er warb für den Ausbau: „Wir haben im Lahn-Dill-Kreis 70 000 Wohngebäude. Junge Familien achten beim Kauf von Häusern auf die Internetverbindungen. Wenn aber deshalb nur zehn Prozent dieser Häuser nicht veräußerbar sind, wäre das Immobilienwertvernichtung von 700 Millionen Euro. Wir schaden uns elementar, wenn wir diese Technik nicht anbieten.“

„Wir können gar nicht mehr anders“, sagte Martina Klement (Grüne). Ob der Ausbau jetzt oder besser in einem Jahr erfolgen müsse, könne der Kreistag nicht wissen.
Heinz Bergfeld (SPD): „Ich halte diese Investition für unverzichtbar. Und ich halte nichts von weiteren Verzögerungen.“

73 der 77 Kreistagsabgeordneten stimmten schließlich für die Verträge mit der Telekom und mit den 21 Kommunen sowie für einen Zuschuss von 4,2 Millionen beziehungsweise – falls die Umsatzsteuer hinzu kommt – 5 Millionen Euro.
Am heutigen Dienstag will der Kreis den Vertrag mit der Telekom schließen. Dazu treffen sich deren Vertreter um 14 Uhr in der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Dillenburg.

Auftakt für den Ausbau ist am 1. August (Freitag in der kommenden Woche). Der erste Spatenstich soll dann um 14 Uhr in Bischoffen am Aartalsee gemacht werden.
Landrat Schuster ist sicher, dass der Kreis mit diesem Ausbau nur den ersten Schritt tun wird. Er sagte den Kreistagsabgeordneten: Es werde keine zehn Jahre mehr dauern, bis im Lahn-Dill-Kreis auch Glasfaserkabel von den Verzweigerkästen bis zu den Häusern verlegt werde.

Wetzlarer Neue Zeitung vom Dienstag, 22. Juli 2014, Seite 15

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