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Pressespiegel & Aktuelles - Archiv von Wolfgang Schuster

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Die „Schule für Erziehungshilfe“ ist eine der größten Förderschulen Hessens, aber kein Schüler besucht sie

Landrat Schuster informierte sich

Wetzlar-Hermannstein (ul). „Wir sind eine der größten Förderschulen Hessens. Wir betreuen über fünfhundert Schüler sonderpädagogisch. Ebenso viele sind von uns in vorbeugenden Maßnahmen erfasst.“ Diese stolze Aussage gehörte zu einem Vortrag, den Baldur Drolsbach, als Chef der „Schule für Erziehungshilfe des Lahn-Dill-Kreises“ hielt. Anlass war der Besuch von Landrat Wolfgang Schuster in den Räumen der Schule in Wetzlar-Hermannstein. Der war ausschließlich gekommen, um sich über diese Einrichtung zu informieren, deren Grundlagen vor zwanzig Jahren per Kreistagsbeschluss gelegt worden waren.

„Wir begannen zwischen 1993 und 1995 als ganz kleines Projekt. In der hessischen Provinz reifte damals eine Vision“, blickte Drolsbach auf die Anfänge zurück, um sie dann zu beschreiben: „Kern war der Gedanke, Prävention und sonderpädagogische Förderung für Kinder mit Verhaltensproblemen aus einer Hand anzubieten. Unser zweites Prinzip war: ihre Teilhabe am Leben zu sichern. Und das hieß für uns: Sie müssen wohnortnah beschult werden.“ Er fügte die Frage an: „Welchen fördernden Aspekt hat für solche Kinder schon der stundenlange Bustransport zu zentralen Sonderschulen?“

Folgerichtig hat die Schule für Erziehungshilfe als Dienststelle inzwischen über 80 Mitarbeiter – aber kein einziger Schüler besucht ihre Räume am Ortsrand von Wetzlar-Hermannstein. Diese werden ausschließlich als Büros von dem derzeit dreiköpfigen Leitungsteam, zu dem neben Drolsbach dessen Stellvertreter Hans Drangmeister und Stufenleiterin Meike Kröck gehören, sowie von der Sekretärin Sandra Keller genutzt. Zudem gibt es einen großen Besprechungsraum für die Konferenzen und Fortbildungen des Schule.

„Die von uns betreuten Schüler verteilen sich über 34 Grundschulen im Altkreis Wetzlar sowie 21 Sekundarstufenschulen und drei Berufsschulen im ganzen Kreis“, so Drolsbachs weitere Statistik. Die dafür zuständigen Förderschullehrer arbeiten in 8 „Regionalen Inklusionsteams“ sowie  5 „Regionalgruppen“ zusammen. Deren Sprecher hatten an diesem Mittag eines ihrer Routinetreffen, als der Landrat zu Gast war. Besonders hervorzuheben sei noch die hervorragende Zusammenarbeit mit der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe des Lahn-Dill-Kreises, mit dem Zentrum für Beratung und Hilfen und mit dem Jugendamt der Stadt Wetzlar.

Wolfgang Schuster zeigte sich beeindruckt davon, wie weit dieses sonderpädagogische Konzept in seinem Kreis schon vorangeschritten ist, und schlug den inhaltlichen Bogen zum Leben erwachsener Behinderter: „Unser Ziel muss es sein, diese nicht nur zu betreuen, sondern ihnen Chance auf Arbeitsplätze in der Wirtschaft zu verschaffen – und nicht nur in Behindertenwerkstätten“.

Der Kreis als Arbeitgeber gehe da mit gutem Beispiel voran. Schuster: „Von meinen tausend Mitarbeitern sind 12,2 Prozent behindert.“ Mit Blick auf die schwierige Finanzlage hob er aber dennoch hervor: „Wenn wir bei denen sparen, die nicht vom Schicksal geküsst sind, bleiben sie ihr Leben lang von Transferleistungen abhängig.“

Auf die Schulpolitik des Lahn-Dill-Kreises ging er auch abschließend ein: „Trotz widriger finanzieller Umstände konnten wir 200 Millionen Euro für das Sanieren der Gebäude mobilisieren.“ Er sagte aber ganz klar: „Bei zurückgehenden Schülerzahlen wird es künftig weniger Schulen bei uns geben. Aber diese müssen besser ausgestattet sein.“

Dass trotz des Inklusionsgedankens vorerst separate Förderschulen nicht abgeschafft werden sollten, hob Thomas Weber als zuständiger Dezernent des Staatlichen Schulamts hervor: „Die Eltern müssen nach wie vor die Freiheit der Wahl haben.“

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