Fakten gegen Vorurteile

Zahlen zu den Themen Ausländer, Asylbewerber und Islam im Lahn-Dill-Kreis

Dillenburg/Haiger/ Herborn/Wetzlar. Wer nichts weiß, muss alles glauben. Deshalb versorgen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit Wissen: mit Fakten zu den Themen Asyl, Flüchtlinge, Ausländer und Muslime im Lahn-Dill-Kreis.

Damit Sie bei den Debatten um "Pegida", "Islamisierung", "Überfremdung" und "Masseneinwanderung" mitreden und sich eine Meinung bilden können. Damit Sie nicht auf Rattenfänger hereinfallen.

Ausländer

 

  • Vorurteil: "Die vielen Ausländer sorgen für eine Überfremdung."
  • Fakt: 253 441 Menschen leben im Lahn-Dill-Kreis. Darunter sind 18 321 Ausländer (7,2 Prozent).
  • Vorurteil: "Ausländer nehmen uns die Arbeitslätze weg."
  • Fakt: 86 630 Menschen im Lahn-Dill-Kreis sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Davon sind 5700 Ausländer (6,6 Prozent).

 

Dazu der Chefvolkswirt der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lahn-Dill, Wolfgang Moser: "Angesichts des demografischen Wandels (Anm. d. Red.: Die Menschen in Deutschland werden weniger, und der Anteil der Älteren wächst) wird die Wirtschaft in spätestens 15,20 Jahren ein Arbeitskräfte-Problem bekommen. Das Problem lässt sich ein stückweit durch Zuwanderung lösen." Warum gibt es zurzeit trotz Arbeitskräftebedarf dennoch Arbeitslose? Moser: "Es gibt viele, die sind einfach nicht ausbildungsreif. Die Gründe sind fehlende Motivation und mangelnde Bildung."

  • Vorurteil: "Ausländer arbeiten nicht und liegen uns auf der Tasche."
  • Fakt: 8343 Personen waren im August 2014 im Lahn-Dill-Kreis als arbeitslos registriert, eine Quote von 6,1 Prozent aller "zivilen Erwerbspersonen" bzw. 3,3 Prozent der Gesamtbevölkerung. Unter den Arbeitslosen im Lahn-Dill-Kreis waren 1706 Ausländer. Das heißt: 9,3 Prozent der Ausländer im Lahn-Dill-Kreis sind arbeitslos. Oder anders: 20,4 Prozent der Arbeitslosen im Lahn-Dill-Kreis sind Ausländer.

Der Anteil der arbeitslosen Ausländer im Kreisgebiet, die auch Hartz IV erhalten, ist geringer, er liegt bei 14 Prozent.

  • Vorurteil: "Wir sind doch nicht das Sozialamt der Welt."
  • Fakt: 2509 Menschen im Lahn-Dill-Kreis beziehen zurzeit Sozialhilfe. Darunter sind etwa 400 Ausländer (15,9 Prozent).

Dazu der Abteilungsleiter Soziales in der Kreisverwaltung, Klaus Gerhard Schreiner: "Die Sozialhilfe wird vor allem gezahlt, wenn die Renten nicht ausreichen. Und wenn Ausländer hier lange gearbeitet haben und Rente bekommen, dann haben sie auch einen Anspruch darauf."

Und IHK-Volkswirt Moser: "Zuwanderer zahlen mehr in die deutschen Sozialkassen ein, als sie rausnehmen (Anm. d. Red.: Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zahlt jeder Ausländer in Deutschland pro Jahr durchschnittlich 3300 Euro mehr Steuern und Sozialabgaben, als er an staatlichen Leistungen erhält). Zahlen gibt es nur für Deutschland insgesamt. Aber im Lahn-Dill-Kreis ist die Situation entsprechend."

  • Vorurteil: "Die Ausländer werden immer mehr, weil sie viel mehr Kinder bekommen als Deutsche."
  • Fakt: 25 730 Schüler besuchen die Grund-, Haupt- und Realschulen sowie Gymnasien im Lahn-Dill-Kreis. Davon sind 1685 ausländische Kinder (6,5 Prozent). Der Prozentsatz entspricht also fast genau dem Verhältnis in der Gesamtbevölkerung.
  • Vorurteil: "Die meisten Ausländer sind kriminell."
  • Fakt: Die Polizei ermittelte 2013 im Lahn-Dill-Kreis insgesamt 4659 Tatverdächtige. Davon waren 1006 ausländische Tatverdächtige (21,6 Prozent).

Asyl

  • Vorurteil: "Das Boot ist voll, wir können nicht noch mehr Flüchtlinge aufnehmen."
  • Fakt: Im Juli stellte die Kreisverwaltung Zahlen vor: Damals lebten 943 Asylbewerber im Lahn-Dill-Kreis. Das sind 0,4 Prozent der gesamten Bevölkerung im Kreis. Für das zweite Halbjahr hatte der Kreis weitere 540 Flüchtlinge erwartet. Das bedeutete aber nicht, dass die Zahl der Asylbewerber damit auf rund 1500 steigt. Denn im gleichen Zeitraum werden auch Asylverfahren abgeschlossen und Asylbewerber ausgewiesen. So stieg im ersten Halbjahr 2014 die Zahl der Asylbewerber auch nur um 50 - trotz 259 neuer Flüchtlinge.

Die meisten dieser 259 Flüchtlinge stammten aus Somalia (52), Syrien (46), Algerien (30) und Eritrea (24).

  • Vorurteil: "Wir haben keinen Platz für immer mehr Flüchtlinge."
  • Fakt: Im gesamten Kreis gibt es zurzeit 54 Unterkünfte (Wohngemeinschaften und Gemeinschaftsunterkünfte) für Flüchtlinge, sie bieten Platz für 1320 Menschen.
  • Vorurteil: "Die Asylanten bekommen das Geld doch hinterher geschmissen."
  • Fakt: Der Lahn-Dill-Kreis hatte für dieses Jahr insgesamt 7,4 Millionen Euro für die Flüchtlinge veranschlagt. So rechnet der Kreis mit monatlichen Kosten von 630 Euro pro Person: Geld für den Lebensunterhalt, für die Unterkunft und für die Krankenversicherung. Hinzu kommen Kosten für sozialpädagogische Betreuung und für die angebotenen 200 Stunden Deutschunterricht pro Asylbewerber.

Umgerechnet zahlt jeder Bürger im Lahn-Dill-Kreis knapp 30 Euro im Jahr für die Aufnahme der Flüchtlinge.

  • Vorurteil: "Viele Flüchtlinge werden , weil sie nichts zu tun haben, kriminell."
  • Fakt: Die Polizei erhebt nur Daten zur Kriminalität von Ausländern, jedoch nicht zusätzlich getrennt nach Flüchtlingen bzw. Asylbewerbern. Aber Polizeisprecher Thorsten Liebig hatte im Juli eine Einschätzung aus dem Polizeialltag abgegeben und erklärt, dass die Zahl der Delikte von Asylbewerbern "sehr gering" sei.

Islam

  • Vorurteil: "Es droht eine Islamisierung der Gesellschaft."
  • Fakt: 142 830 Menschen im Lahn-Dill-Kreis sind Mitglied der evangelischen Kirche, 38 800 der katholischen Kirche. Zahlen zu Muslimen im Lahn-Dill-Kreis gibt es nicht. Nur: In Deutschland leben etwa 4 Millionen Muslime, das sind rund 5 Prozent der Gesamtbevölkerung. Würde man diesen Prozentsatz auf den Lahn-Dill-Kreis übertragen, dann würden dort rund 12 000 Muslime wohnen.
  • Vorurteil: "Überall werden Moscheen gebaut, bald haben wir mehr Minarette als Kirchtürme."
  • Fakt: Im Lahn-Dill-Kreis gibt es allein 153 evangelische Kirchen. Hinzu kommen noch Kirchen von freien evangelischen Kirchengemeinden sowie von der katholischen Kirche. Muslimische Gemeinden und Vereine haben im Lahn-Dill-Kreis elf Moscheen, meist einfache Gebetsräume, keine mit Minarett.

Quellen

Zensus 2011, Kreisverwaltung Lahn-Dill-Kreis, Statistisches Landesamt Hessen, Arbeitsagentur Limburg-Wetzlar, Kriminalstatistik der Polizeidirektion Lahn-Dill, Migrationsberatung der AWO Lahn-Dill; Evangelische Kirche in Hessen und Nassau, Kirchenkreis Wetzlar-Braunfels, Industrie- und Handelskammer Lahn-Dill.

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