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Lahn-Dill-Kreis

Familienfreundlichkeit als Standortvorteil: Vertreter aus Unternehmen und Kommunen sprechen über Zukunfts-Thema

Wetzlar/Dillenburg, 15. November 2007
"Familienfreundlichkeit ist für mich, Familie und Beruf zu leben", brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt. Zusammen mit Unternehmens-Vertretern hat das "Lokale Bündnis für Familie" Möglichkeiten ausgelotet, familienfreundliche Angebote im Lahn-Dill-Kreis zu verbessern und gegenseitig aufeinander abzustimmen. Rahmen und Veranstaltungsort für diesen Austausch bot die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Dillenburg.

Dass in einigen Betrieben bereits viel getan wird, zeigte Ralf Heppenstiel von ThyssenKrupp Nirosta in einem Impuls-Referat über das Programm "JAN - Jung und Alt in der Nirosta". Aus den eigenen Geschäftsbereichen ergänzten Joachim Homscheid (Rittal), Stefan Beck (Loh-Akademie) und Helmut Kloos (Sparkasse Dillenburg).

Diesen Dialog zu starten sei eines der Ziele gewesen, am 11. November 2005 das "Lokale Bündnis für Familie" im Lahn-Dill-Kreis ins Leben zu rufen, erläuterte eingangs Landrat Wolfgang Schuster (SPD). Seitdem wirken Vertreter aus Kommunen, Unternehmen, Gewerkschaften, Politik, Vereinen und Institutionen sowie engagierte Privatpersonen in sechs Arbeitsgruppen in dem offenen Bündnis daran mit, den Kreis für Familien freundlicher zu gestalten. Andreas Tielmann, Hauptgeschäftsführer der mitverantwortlichen IHK, sah im Zusammenhang zwischen Familien und Arbeit noch einigen Nachholbedarf für ein "stimmiges Wohnumfeld", wusste aber um die Attraktion der Region. "Das können wir auch bei 'Studium plus' ablesen, bei dem ein Drittel der Teilnehmer nicht aus der Region kommt".
Attraktive Arbeitsplätze sind auch für Familien attraktiv - das war eine der Thesen, die im Laufe des fast vierstündigen Gesprächs anklangen. Und die meisten Unternehmen haben Familienfreundlichkeit bereits als wichtigen Standortfaktor erkannt, wenn es beispielsweise um das Gewinnen und Halten von gutem Personal geht. Patenmodelle, "Unterstützung aktiver Vaterschaft" und "Weiterbildung und Kontakt trotz Elternzeit" waren etwa Ansätze, die in der Dillenburger Firma ThyssenKrupp Nirosta verfolgt werden.

Auch wenn es in mittelständisch geprägten Firmen-Landschaften kaum Bedarf für einen "Betriebskindergarten" gibt, konnten sich einzelne Unternehmen eine gezielte Zusammenarbeit in der Betreuung vorstellen. "Wir müssen vorhandene Strukturen stärken", sagte Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Kloos. Verbesserungsbedarf sahen die Beteiligten etwa im Öffentlichen Personennahverkehr oder im Angebot an Tagesmüttern. Mehr Flexibilität wurde, auch im Interesse der Firmen-Entwicklung, in der Betreuung und Ausbildung von Jugendlichen gesehen. Dies sei nicht nur im Ausbildungsplatz-Angebot, sondern bereits in Kindergarten und Schule anzulegen. "Wir müssen den Kindern früher eine Chance geben sich entwickeln zu können", sagte Peter Dubowy, Geschäftsführer der Lahn-Dill-Arbeit.

Das Bekanntmachen der bestehenden Angebote hielt Rittal-Personalchef Homscheid für einen guten Ansatz, um die Region attraktiv zu halten und weiter zu gestalten. Eine Art "Familienwegweiser" schwebt der AG "Familienfreundliche Städte und Gemeinden", die für das Lokale Bündnis zu diesem Treffen eingeladen hatte, bereits vor. "Wir wollen gute Beispiele sammeln und weiter tragen, damit sie Nachahmung finden", sagte AG-Sprecher Götz Konrad (parteilos).

Erste Schritte, in den Kreis hinein zu wirken, hat die Arbeitsgruppe bereits unternommen. Auf Ebene der Bürgermeister war bereits vereinbart worden, bei der Aufnahme von gemeindefremden Kindern auf einen Kostenausgleich zwischen den Kommunen zu verzichten. "Das läuft auf ein Nullsummen-Spiel hinaus und ist letztlich eine ganz praktische Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf", erläuterte Konrad. Momentan hat die AG eine "Checkliste für Familienfreundlichkeit" erstellt und in die 23 Städte und Gemeinden des Kreises verteilt, wo sich die Sozialausschüsse der Parlamente mit den Fragen beschäftigen.
Weil bei der Klausur "Familienfreundlichkeit als Standortvorteil" in Dillenburg bei weitem nicht alle wichtigen Fragen angeschnitten werden konnten, vereinbarten die Beteiligten, in Kontakt zu bleiben und den Dialog alsbald fortzuführen.

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