Fragen zur Landratswahl

  1. Wie kommt der LDK von seinem Schuldenberg von rund 400 Millionen Euro runter? Wo sehen Sie Sparpotenzial?

Der Lahn-Dill-Kreis hat aktuell rund 417 Mio. € Verbindlichkeiten. Zum Abbau nehmen wir am Landesprogramm „Hessenkasse“ teil. Durch dieses Programm werden im Herbst voraussichtlich rund 120 Mio. € Kassenkredite durch das Land Hessen übernommen. Im Gegenzug müssen wir für die Hessenkasse jährlich Finanzierungsbeiträge von rund 6,3 Mio. € jährlich aufbringen. Das Land beteiligt sich ebenfalls mit 6,3 Mio. € und übernimmt die Zinsen. Im Jahr 2028 wären dann die Kassenkredite ausgeglichen.

Der Lahn-Dill-Kreis hat in den letzten Jahren über 500 Mio. € in Schulen, Kreisstraßen und den Breitbandausbau investiert. Ein Großteil dieser Investitionen musste durch Kredite finanziert werden. Diesen Krediten stehen natürlich auch Vermögenswerte in erheblichem Umfang gegenüber, die den Schülerinnen und Schülern, den Verkehrsteilnehmern und allen Nutzern der kreiseigenen Infrastruktur zugutekommen. Der Lahn-Dill-Kreis hat frühzeitig Aktivitäten für eine ausreichende Breitbandversorgung entwickelt und damit die Attraktivität und Zukunftsfähigkeit gerade auch des ländlichen Raumes erhöht.

Der Lahn-Dill-Kreis bleibt so im Bereich der Daseinsvorsorge weiter gut aufgestellt und zeigt sehr deutlich, wie wichtig uns eine wirkungsvolle Investitionspolitik ist. Für die Investitionskredite werden wir über die Zeit der Nutzung Tilgung und Zinszahlungen aus dem Haushalt finanzieren. Außerdem haben wir die Niedrigzinsphase genutzt und diese Kredite langfristig zu sehr günstigen Zinsen gesichert.

  1. Industrie und Handwerk im LDK suchen teilweise vergeblich nach weiteren Mitarbeitern. Was kann der LDK gegen den Fachkräftemangel tun?

Als ich 2006 Landrat wurde, hatte ich das Ziel, den Lahn-Dill-Kreis familienfreundlich zu gestalten. Wir haben viel erreicht. Denn elf Jahre später können wir ein flächendeckendes Betreuungsangebot an KiTas und Schulen vorweisen. Der Anteil der sozialversicherungspflichtigen Frauen ist um 21 Prozent gestiegen – von 32.822 auf 39.798. Wir müssen jetzt ganz besonders auf die älteren Menschen schauen und auch in diesem Bereich ein solides Betreuungsangebot schaffen, damit die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch weiterhin möglich bleibt. Außerdem lohnt sich der Blick in den aktuellen Arbeitsmarktbericht. Er beschreibt, wie die Unternehmen einerseits noch nicht vollständig für den Arbeitsmarkt erschlossene Personengruppen ansprechen können und wie andererseits die Unternehmen flexiblere Arbeitsplatzangebote (z. B. für Schwerbehinderte, ältere Arbeitnehmer oder Teilzeitkräfte) gestalten können. Darüber hinaus wird unser Landkreis mit gezielten Veranstaltungen die Arbeitgeber bei ihrer Fachkräftesuche unterstützen. Hinzu kommt, dass wir durch bessere Ausstattung der schulischen Infrastruktur (z. B. im Bereich der Berufsschulen) dazu beitragen, dass die duale Ausbildung – sei es in der Lehre oder im Studium – noch attraktiver wird.

  1. Das Interesse an Kommunalwahlen und auch an der Direktwahl des Landrats im LDK waren zuletzt sehr gering. Woran liegt es? Wie sollte es geändert werden?

Über Kommunalpolitik kann man sich normalerweise nicht in Funk und Fernsehen informieren. In der Lokalzeitung konkurriert sie mit dem übrigen Lokalgeschehen um die Aufmerksamkeit der Leserschaft. Also stehen kommunalpolitische Themen nicht im Mittelpunkt. Erst Recht nicht die Kreispolitik in einem großen Flächenlandkreis. Nur wenige Kreisthemen betreffen Menschen in Dietzhölztal genauso wie in Waldsolms.

Ich denke,  dass bei der Kommunalwahl viele den Kreistag huckepack mitwählen, das Interesse aber auf der örtlichen Ebene liegt. Deshalb ist die Wahlbeteiligung bei Bürgermeisterwahlen höher als bei Landratswahlen. Es gibt nachvollziehbare Gründe, warum man mit Kommunalpolitik weniger Leute ins Wahllokal lockt als bei der  Bundestagswahl.

Parteien und Wählergruppen sind gefordert, interessante Ideen zu entwickeln. Ich habe Vieles umgesetzt und auf den Weg gebracht,  was erst heiß umstritten war. Weil es funktioniert, sind hinterher alle dafür. So war es bei den Entlastungen der Bürger durch die 2013 beschlossene neue Müllgebühr genauso wie beim Breitbandausbau. Die großen Parteien, bei uns SPD und CDU, müssen im Wettbewerb um die besten Ideen stehen. Wer nicht zur Wahl geht, der stärkt rechts und könnte sich am Wahlsonntagabend fragen, wie so etwas passieren kann, siehe der Brexit der Engländer. Jeder von uns hat eine Stimme. Von der sollten wir alle Gebrauch machen am 27. Mai 2018!

  1. Hauptaufgaben der Landkreise sind Bau, Betrieb und Unterhaltung von Schulgebäuden. Insgesamt knapp eine halbe Milliarde Euro steckt der LDK derzeit in die Sanierung seiner Schulbauten. Sehen Sie weiteren Investitionsbedarf, auch für die Ausstattung der insgesamt 92 Schulen? Für was?

Mit dem Neubau der Goetheschule und der Theodor-Heuss-Schule sowie der grundhaften Sanierung der Käthe-Kollwitz-Schule in Wetzlar werden wir im südlichen Lahn-Dill-Kreis ein Leuchtturmprojekt umsetzen! Grundsätzlich sollte klar sein, dass die Sanierung und Modernisierung unserer Schulen unsere permanente Aufgabe ist. Es ist unser Anspruch, alle Schulen im Kreisgebiet modern auszustatten. Der Bereich Digitalisierung und Bildung bleibt eine unserer Kernaufgaben in den kommenden Jahren. Wir konnten digitale Medien bereits vielerorts an unseren Schulen integrieren. Diesen Weg beschreiten wir natürlich weiter, bis jede Schule im Kreis angemessen ausgestattet ist.

Zurück