Pressespiegel & Aktuelles

Pressespiegel & Aktuelles - Archiv von Wolfgang Schuster

Beachten Sie bitte, dass dieser Artikel vor 3565 Tagen veröffentlicht wurde.

Heute sehen, was morgen ist

"Interaktive" geben Ausblick auf Alltag der Zukunft

Wetzlar. "Googeln" mit dem Auge? Im Supermarkt bezahlen im Vorübergehen? Einen Beistelltisch ausdrucken? Nichts von wegen Düsentrieb, sondern längst Wirklichkeit. Die Agentur "die interaktiven" hat Technologien nach Wetzlar geholt, die vielleicht morgen schon zum Alltag gehören. Zum Anfassen, Ausprobieren, Staunen.

Ein Flachbildschirm, oben drauf eine kleine Kamera. Aber nur auf den ersten Blick. Denn dahinter steckt eine Technologie zur Gesichts- und Stimmerkennung, die das Münchener Fraunhofer Institut entwickelt hat.

Wetzlars Oberbürgermeister Wolfram Dette und Landrat Wolfgang Schuster werden beim Rundgang gefilmt, gescannt und tauchen auf dem Bildschirm auf, gleichzeitig eine Tabelle. Diese verrät: Beide seien männlich, augenblicklich zufrieden, weder traurig noch wütend. Das Alter von Schuster (56) gibt das Programm mit 70 an und macht ihn damit unfreundlicherweise älter. Dette scheint dagegen virtuell jünger: Das Programm schätzt ihn auf 46 Jahre, er ist aber 62. "Die Genauigkeit liegt bei 85 Prozent", erklärt Nick Sohnemann, Innovationsforscher aus Hamburg.

Ihn haben die "interaktiven" als Referenten nach Wetzlar eingeladen. Um einen Ausblick auf die Zukunft zu geben. Auf Technologien wie die Gesichtserkennung. Diese könnte irgendwann zum Beispiel Aufschluss darüber geben, wie zufrieden eine Kunde mit der Ware ist.

Ein Scanner für die Stimmung, ein Tisch aus dem Drucker und Google fürs Auge

"Vielleicht ist Vieles, was wir hier zeigen, in zwei oder drei Jahren ganz normal", sagt Hendrik Adam, zusammen mit Manuel Busse Geschäftsführer der Agentur, die seit 13 Jahren besteht. Heute beschäftigt sie in der Spilburg rund 35 Mitarbeiter und kümmert sich nicht nur um Internet-Auftritte von Unternehmen, sondern entwickelt für diese Strategien mit Hilfe von allen möglichen IT-Technologien. Zu den Kunden zählen Mövenpick-Hotels ebenso wie Hornbach-Baumärkte oder die HSG in Wetzlar.

Zum zweiten Mal haben "die interaktiven" rund 200 Gäste eingeladen, um ihnen die neuesten Entwicklungen vorzustellen. "Zukunftslabor" nennen sie ihre kleine Ausstellung. Sie wollen Kunden zeigen, was möglich ist, sie wollen sie ins Gespräch bringen. Voriges Jahr stellten sie eine Roboterdame vor. "Wir möchten gerne heute schon kennen, was morgen zum Alltag gehören könnte", sagt Busse.

Diesmal geht es um Neuheiten wie die Steuerung eines Computers per Handgesten. Oder das Elektroauto Tesla S. Fast lautlos beschleunigen Akkus die über zwei Tonnen schwere Limousine in 5,6 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Etwa 500 Kilometer weit kommt der Tesla mit einer Akku-Ladung, dann muss er wieder ans Kabel. Wer ihn zu Hause an die 230-Volt-Steckdose stöpselt, muss zehn Stunden laden, damit er volle Reichweite hat.

Oder 3D-Drucker: Diese könnten irgendwann für viele Unternehmen den Bau von Prototypen erleichtern, sagt Nick Sohnemann. Er zeigt das Emblem eines Autoherstellers aus schwarzem Kunststoff. Nicht gepresst, nicht gestanzt - ausgedruckt. Heiße Drähte und Sensoren sorgen dafür, dass der Kunststoff seine Form bekommt. Die Technik hat noch Grenzen, denn das Drucken dauert: Einen kleinen Tisch ausdrucken, das funktioniere, sagt Sohnemann. "Aber der Drucker braucht zwei Tage." Dass irgendwann der Pizza-Service die Bestellung direkt an den 3D-Drucker des Kunden sendet, schließt der Innovationsforscher aber aus. Organisches Material, Mehl oder Tomatenmark, könne so ein Drucker nicht verarbeiten.

"iBeacon" heißen die unscheinbaren kleinen Teile, die irgendwann das Bezahlen im Vorbeigehen ermöglichen könnten. Zum Beispiel am Ausgang eines Kaufhauses, erklärt Sohnemann. Geht ein Kunde mit der gekauften Ware vorbei, registriert das Gerät dies über eine Bluetooth-Verbindung, bucht die Summe über eine App auf dem Smartphone des Kunden von dessen Kundenkonto ab.

Für ihre Besucher hielten die "interaktiven" auch einige Exemplare der Datenbrille "Google Glass" zum Ausprobieren bereit. Ein Mini-Computer am Brillengestell, steuerbar per Stimme, mit allen Funktionen der virtuellen Riesen-Suchmaschine. Wer den Weg durch eine fremde Stadt sucht, braucht nicht mehr auf Google-Maps auf dem Handy starren, sondern bekommt seinen Weg direkt vors Auge geliefert. Mit unzähligen Informationen dazu, wenn er es möchte. Theoretisch könnte die Daten-Brille sogar Gesichter von Menschen erkennen und Soziale Netzwerke nach ihnen durchsuchen.

Derzeit ist die Google-Brille noch ein Prototyp. "Sie wird getestet, um herauszufinden: Was hat sie für die Gesellschaft für einen Wert?", erklärt Sohnemann.

Übrigens: Wer eine gewöhnliche Brille braucht, muss diese ablegen, um die Google-Gläser zu tragen. Aber auch daran werde gearbeitet, weiß Hendrik Adam. An der elektronischen Sehhilfe, die gleich integriert ist.

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