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492 Kilometer für die Organspende

Transplantierte und Wartepatienten machen Station am Klinikum Wetzlar

VON TANJA FREUDENMANN

Wetzlar. Sie haben bereits ein Organ transplantiert bekommen oder warten noch: Mit ihrer Radtour von Marburg nach Saarbrücken wollen 20 Sportler für mehr Organspenden werben, den Krankenhäusern für ihren Einsatz danken und Dialysepatienten für den Sport begeistern. Am Montag machten sie Station am Wetzlarer Klinikum.

„Wir wären heute nicht hier, wenn uns nicht geholfen worden wäre. Die Menschen, die uns ein Organ spenden, sind Lebensretter“, sagt Peter Kreilkamp (55), der eben mit seiner Truppe am Wetzlarer Klinikum angekommen ist. Kreilkamp, Mitorganisator der Radtour-pro-Organspende, steht selbst seit 2009 auf einer Warteliste. Wieder. „Ich bin Nierenpatient. 2003 habe ich eine Niere erhalten, sie hat sechs Jahre normal gearbeitet“, erklärt er. Jetzt wartet er auf ein neues Organ.

„Wir wollen zeigen, dass wir ein vollwertiges Leben leben können“

Die Situation in Deutschland sei „dramatisch“, weiß der dreifache Vater aus Seefeld: „Bei uns wartet man bis zu zehn Jahre auf eine Niere. Und wenn heute der Tag zu Ende ist, haben es wieder mehrere Menschen nicht geschafft.“ Etwa 1000 sterben jedes Jahr, weil kein Spenderorgan gefunden wird. Eine Botschaft der Tour sei deshalb: „Organspende funktioniert“. Das zeige nicht zuletzt die Fitness der Teilnehmer. Darunter auch Bernd Hilpert (52) aus Fürth, der 2011 erfolgreich transplantiert wurde. „Ich lebe ganz normal, bin berufstätig, in zwei Vereinen aktiv, organisiere Radrennen“, sagt er. „Wir wollen die Leute für das Organspenden gewinnen und ihnen zeigen, dass wir nach einer Transplantation ein vollwertiges Leben leben können“, so Hilpert.

Eine Niere hat Beate Sennhenn (48) aus Sontra ihrem Mann Bernd Brethauer (61) gespendet. „Er hätte sonst jahrelang warten müssen“, sagt sie. Der Entschluss sei bereits nach dem ersten Beratungsgespräch im Juli 2012 gefallen, die Operation habe im März 2013 stattgefunden. „Bereits im Krankenhaus hatte ich dann ein Bettfahrrad, Sport hat immer mein Leben bestimmt“, sagt Prethauer, der Dialysepatienten und Transplantierte auffordert, Sport zu treiben. „Die Widerspruchsregelung sollte durchgesetzt werden, dafür plädieren wir“, sagt seine Frau Beate.

Ärzte könnten demnach hirntoten Patienten Organe entnehmen, wenn diese zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widersprochen haben. Auch der hessische Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) befürwortet diese Regelung: „Die Zahl der Spender wäre deutlich höher. Was in anderen Ländern funktioniert, würde auch bei uns funktionieren.“ Zudem würden Angehörige, die gerade vom Tod eines geliebten Menschen erfahren haben, nicht mit der Frage nach der Organspende konfrontiert werden. Die Tour werbe aber nicht nur für die Organspende, sondern zeige auch, „zu welche Leistungen Transplantierte fähig“ seien, so Grüttner, der im Anschluss das neue Medi-Center am Wetzlarer Klinikum besuchte.

Zuvor zeigten er und Landrat Wolfgang Schuster (SPD) den Radlern stolz ihren Organspendeausweis. „Es ist wichtig, das Thema nach den Organspendeskandalen wieder positiv in die Öffentlichkeit zu bringen“, sagt Norbert Köneke, Medizinischer Direktor der Lahn-Dill-Kliniken. „Dass die Radler bei uns Station machen, wird uns und unseren Patienten neue Impulse geben“, fügt Geschäftsführer Richard Kreutzer hinzu. Neben ihnen stehen Annemarie und Dieter Albrecht (beide 67 Jahre alt) aus Furtwangen. Bereits vor 18 Jahren hat Albrecht seiner Frau eine Niere gespendet. „Sie läuft super, sie ist ja auch von mir. Und mir fehlt überhaupt nichts. Außer einer Niere“, scherzt er. Seither war seine Frau bei Welt- und Europameisterschaften für Transplantierte erfolgreich vertreten. Albrecht: „Ich kann es jedem nur empfehlen.“

www.radtour-pro-organspende.de

Wetzlarer Neue Zeitung vom Dienstag, 22. Juli 2014, Seite 17

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