Junge Menschen sind mehr als nur Schüler

Prof. Dr. Larissa von Schwanenflügel referiert über die Chancen der offenen Kinder- und Jugendarbeit

Wetzlar/­Dillenburg/­Herborn (ldk): „Es geht um ein Thema, das uns allen wichtig ist. Es geht um unsere Jugend. Wir alle waren einmal jung“, führt Torsten Menges, Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe des Lahn-Dill-Kreises, in den Abend ein, an dem es um die Chancen, Ziele und Möglichkeiten der offenen Kinder- und Jugendarbeit geht. Über 40 Akteurinnen und Akteure aus dem Bereich der Jugendarbeit, der Verwaltung und der Kommunalpolitik haben sich zu der Fachveranstaltung im Kreishaus in Wetzlar versammelt. Gastdozentin Prof. Dr. Larissa von Schwanenflügel von der FH Frankfurt gibt Impulse. Die Ergebnisse ihrer jüngsten Studie zeigen, dass junge Menschen oftmals auf ihr Dasein als Schülerinnen und Schüler reduziert werden.

„Die Kindheit und die Jugend eines Menschen sind sehr institutionalisiert und verzweckt“, sagt von Schwanenflügel. „Was häufig fehlt, ist ein unbelasteter Freiraum, in dem es möglich ist, sich zu entfalten.“ Junge Menschen wollen gehört und mit ihren Herausforderungen und Problemen ernstgenommen werden. Man dürfe sie nicht ausschließlich im Kontext Schule sehen, sondern müsse ihnen auf Augenhöhe begegnen, in den ernsthaften Dialog treten und ihnen damit signalisieren, dass ihre Gedanken und Gefühle wichtig sind. Wie das funktioniert? Mit einer offenen Jugendarbeit, neben der Schule. Das helfe jungen Menschen, sich verstanden und respektiert zu fühlen, ihren Horizont erweitern zu können und zu selbstbewussten Erwachsenen heranzuwachsen.

Junge Menschen haben die Chance, sich selbst zu verwirklichen und die Gesellschaft mitzuprägen. Von Schwanenflügels Studie zeigt, dass Jugendliche pädagogische Fachkräfte als „andere Erwachsene“ wahrnehmen, mit denen sie auch über kritische Themen wie Tod, Krieg, Religion und Sex frei und offen reden können.

„Jugendarbeit bedeutet Persönlichkeitsentwicklung. Es ist die Beschäftigung mit jungen Menschen außerhalb des schulischen Zusammenhangs – beispielsweise in Jugendzentren, auf Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche oder bei Ferienfreizeitangeboten“, sagt Torsten Menges. Kreis-Sozialdezernent Stephan Aurand bestätigt ihn: „Die Kinder- und Jugendarbeit im Lahn-Dill-Kreis ist auf einem guten Weg. Auch und gerade im politischen Bereich konnten wir jungen Menschen kürzlich mit dem Kreistagsplanspiel und der Demokratiekonferenz zeigen, wie wichtig und schön es ist, selbst die Initiative zu ergreifen, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.“

In der Diskussion an diesem Abend ging es außerdem darum, dass Jugendarbeit ein attraktiver Standortfaktor sei. Wer sich gut auf- und angenommen in seiner Region fühle, denke beispielsweise eher daran, nach Ausbildung oder Studium wieder in die Heimat zurückzukehren. Auch der Ruf danach, Kindern und Jugendlichen mehr Möglichkeiten zu bieten, um sich politisch zu engagieren, wurde laut. Dafür müsse die offene Kinder- und Jugendarbeit mehr Akzeptanz und Wertschätzung in der kommunalen Politik erfahren, lautet die Forderung aus der Diskussionsrunde.

Bildunterschrift 1: Torsten Menges, Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendhilfe des Lahn-Dill-Kreises und Kreis-Sozialdezernent Stephan Aurand tauschen sich am Rande der Fachveranstaltung aus. Foto: Lahn-Dill-Kreis

Bildunterschrift 2: Prof. Dr. Larissa von Schwanenflügel forscht seit Jahren im Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Mit ihrem Vortrag über ihre jüngsten Studienergebnisse gibt sie wichtige Impulse. Foto: Lahn-Dill-Kreis

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