Kreise wollen Netz zurück

Preis liegt bei 600 Millionen Euro / Vertrieb bleibt bei Eon

VON BIRGIT HEIMRICH

Marburg/Kassel. Bis Ende des Jahres ist der regionale Strom- und Gasversorger Eon Mitte wieder zu 100 Prozent in kommunaler Hand. Das sieht der der Zeitplan vor, auf den sich der Mutterkonzern Eon und die kommunalen Aktionäre geeinigt haben.

Der Energieriese verkauft die Netzgesellschaft für knapp 600 Millionen Euro an zwölf Landkreise in Hessen, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie die Stadt Göttingen. Fast das Doppelte hat Eon vor elf Jahren bezahlt. Im Jahr 2002 hatte der Energiekonzern den kommunalen Anteilseignern ein 32,3-Prozent-Aktienpaket an der alten EAM (Elektrizitäts-Aktiengesellschaft Mitteldeutschland) für knapp 480 Millionen Euro abgekauft. 2013 gibt Eon die Tochtergesellschaft zurück, nun zu 100 Prozent, nur der Vertrieb, also die rund 700 000 Kundenverträge, verbleiben beim Konzern. Das ist den neuen Eigentümern gerade recht.

„Das Geschäft wird zum größten Teil mit den Netzentgelten gemacht“, erklärt Robert Fischbach, Landrat in Marburg-Biedenkopf und Verhandlungsführer der kommunalen Seite im Eon-Mitte-Deal bei einem Hintergrundgespräch gestern im Kreishaus. 2011 waren das allein 620 von 660 Millionen Euro Umsatz.

Das Eon-Mitte-Strom- und Gasnetz erstreckt sich über 12 000 Quadratkilometer in vier Bundesländern, 200 Städte und Gemeinden sind mittel- oder unmittelbar eingebunden, mit 160 Kommunen bestehen Konzessionsverträge.

Diese Woche haben alle Kreistagsabgeordneten im Verbreitungsgebiet der Eon Mitte ein 70-seitiges Dossier zur Übernahme erhalten. Noch im Herbst sollen die Gremien über den Kauf entscheiden. „Ich rechne mit einer breiten Zustimmung“, sagt Fischbach.

23 Stadtwerke bekunden Interesse, in das Geschäft einzusteigen

Für die Übernahme der Netzgesellschaft gründen die zwölf Landkreise und die Stadt Göttingen eine neue EAM. Für „Energie aus der Mitte“ stehen die drei Buchstaben diesmal. Die neuen Eigentümer bringen ihre bisherigen Anteile in die Gesellschaft ein, der Kauf selbst wird komplett fremdfinanziert – „nicht nur von einer Bank“, erklärt Frank Karbenn, der als Berater die Transaktion begleitet. Im staatlich regulierten Netzgeschäft mit festgelegten Netzentgelten und Renditen ist das Darlehen in 20 Jahren zurückbezahlt, rechnen Karbenn und Fischbach vor.

Mit der neuen EAM wollen die Akteure ein kommunales Energienetzwerk in der Region spannen, Standorte und Arbeitsplätze sichern, die Energiewende vorantreiben und die Wertschöpfung in der Region halten.

Deshalb sollen sich Kommunen, allen voran, die Konzessionsnehmer beteiligen können – bis zu maximal 49,9 Prozent, die Altaktionäre halten auch in Zukunft die Mehrheit. Auch ein Konsortium aus 23 Stadtwerken der Region hat Interesse bekundet, in die EAM einzusteigen.

Wetzlarer Neue Zeitung vom Samstag, 5. Oktober 2013, Seite

Zurück