SPD zeigt Respekt vor harter Arbeit

Herkunft darf nicht über Zukunftschancen entscheiden

Greifenstein-Beilstein (cr/s). Es war ein straffes Programm, das Thorsten Schäfer-Gümbel, Spitzenkandidat und Landesvorsitzender der hessischen SPD, am Samstag zu bewältigen hatte. Vormittags stand bereits Straßenwahlkampf in Oberursel und Bad Homburg auf dem Terminplan des Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten, abends musste der 43-Jährige dann schon wieder in Weilburg zum Sommerfest der dortigen SPD erscheinen. Von Hektik oder gar Stress war jedoch beim sogenannten „Wällertreff am roten Tisch“ am Samstagnachmittag nichts zu spüren.

Dutzende Sozialdemokraten machten in dem Beilsteiner Landhaus „Hui Wäller“ Station, um mit ihrem aussichtsreichen Spitzenkandidaten über sein Wahlprogramm ins Gespräch zu kommen.

Das Fazit der Parteigenossen konnte man anhand des tosenden Applauses und der Worte von Greifensteins SPD-Ortsvereinsvorsitzenden, Werner Spies, erkennen: „Mit Thorsten Schäfer-Gümbel haben wir jemanden, der als Ministerpräsident etwas bewegen kann“, sagte Spies. Er sei stolz, für ihn Wahlkampf machen zu dürfen.

Es war ein regelrechtes Stelldichein der hessischen Sozialdemokratie, das da bei der ersten Veranstaltung in dem bald eröffnenden Landhaus vonstattenging. Neben Schäfer-Gümbel und Bundestagskandidatin Dagmar Schmidt waren die Landtagskandidaten Stephan Grüger, Murat Polat und Cirsten Kunz vor Ort. Nicht fehlen durfte in der illustren Runde Landrat Wolfgang Schuster, liebevoll als „prominentester Wäller“ von Spies angekündigt. 43 Tage vor Bundes- und Landtagswahl wolle man die Gelegenheit nutzen, um über zentrale politische Themen der SPD zu reden, sagte Spies.

Schäfer-Gümbel stellte seinen Vortrag unter das Motto seiner Wahlkampf-Sommertour: „Respekt vor harter Arbeit“. Bereits im Vorfeld hatte Landrat Schuster gegen die derzeitigen Niedriglohn-Zustände gewettert. „Wir haben in Hessen über 3000 ‚Aufstocker‘. 16 Millionen Euro zahlen wir, um hart arbeitenden Menschen, die nicht genug verdienen um ordentlich zu leben, unter die Arme zu greifen. Das ist pervers. Wir wollen das Geld in Bildung stecken und nicht den Niedriglohn subventionieren.“ Die Landespolitik der CDU sei kommunalfeindlich. „Mit Thorsten Schäfer-Gümbel haben wir einen Ministerpräsidentenkandidaten, der diese Misere beenden kann.“

Schäfer-Gümbel knüpfte an die Worte des Landrats an: „Viele Menschen stehen in Lohn und Brot und können von dem, was sie bekommen dennoch nicht leben. Ich fordere den Respekt vor harter Arbeit zurück.“ Auf seiner Sommertour habe er Auszubildende, Reinigungsfachkräfte und viele mehr getroffen, die dafür Sorge tragen, dass es in Deutschland rund läuft und die unter Niedriglöhnen litten. „Man glaubt immer, dass die Börsenkurve Wirtschaft sind. Wirtschaft ist jedoch das, was jeder Einzelne von uns mit seiner tagtäglichen Arbeit einbringt.“ Man müsse hart Arbeitenden Chancen eröffnen. „Solange in Hessen die soziale Herkunft darüber entscheidet, welchen Weg man später geht, müssen wir in Bildung investieren“, sagte Schäfer-Gümbel. Weder dürfe die soziale Herkunft über den Beruf, noch über das Einkommen entscheiden. Die hessische SPD wolle die „Durchlässigkeit“ in das Bildungssystem zurückbringen.

Verbunden seien alle seine Ziele mit mehr Steuergerechtigkeit. Um dies zu erreichen, müsse in erster Linie der Steuerflucht ein Riegel vorgeschoben werden. Je nach Hochrechnung entgingen Deutschland aufgrund von nicht gezahlten Steuern jährlich Einnahmen zwischen 30 und 160 Milliarden Euro.

Mindestlohn und Chancengleichheit

Bundestagskandidatin Dagmar Schmidt nannte in ihrem Grußwort zehn Gründe, die für die Wahl der SPD am 22. September sprechen. Vor allem pochte sie auf den „Mindestlohn ohne Hintertür“. „Mindestens 8,50 Euro – wer arbeitet muss davon auch leben können“, sagte sie. Die Einführung des Mindestlohns sei ein erster Schritt, um die Zwei-Klassen-Gesellschaft in den Betrieben zu beenden. Dazu gehöre es auch, gleichen Lohn für gleiche Arbeit zu zahlen. Schmidt forderte damit auch mehr Geschlechtergerechtigkeit. Zudem will sich die Genossin dafür stark machen, dass Frauen Beruf und Familie besser unter einen Hut bringen können. Schmidt sprach sich für einen kostenlosen Besuch der Kindergärten aus.

Brigitte Marczik-Bovermann und Ingrid Heuser wurden von Schäfer-Gümbel und Schuster für 40 Jahre Mitgliedschaft in der SPD ausgezeichnet. Und auch einen Neuzugang konnte die Partei vermelden: Arno Tetzlaff erhielt von Schäfer-Gümbel das rote Parteibuch.

Nach rund zweistündiger Diskussion verabschiedete sich der Spitzenkandidat. Der Sozialdemokrat musste weiter zu seinem nächsten Wahlkampftermin.

Dill-Zeitung vom Dienstag, 13. August 2013, Seite 18

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