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Pressespiegel & Aktuelles - Archiv von Wolfgang Schuster

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Wunsch nach „Karriere mit Lehre“

Kammergeschäftsführer Harald Brandes für neue Abiturform

Wetzlar (ew). Im Fußball läuft es bekanntlich gut. Im Handwerk auch. Klaus Repp, Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden, hatte es daher leicht, in seiner Eröffnungsrede zum Jahresempfang der Kammer für Mittelhessen im Berufsbildungs- und Technologiezentrum Wetzlar vor 130 Gästen wieder Bezüge zum Fußball herzustellen. 

Harald Brandes, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, wies auf den Umstand hin, dass immer mehr Schulabgänger studieren und immer weniger einen Handwerksberuf erlernen wollen. „Das kann für Wirtschaft und Gesellschaft auf Dauer nicht gutgehen“, so Brandes, der nicht sieht, den Drang zum Abi verhindern zu können, und deshalb vor allem die Politik auffordert, sich darüber Gedanken zu machen, ob neben einem Abitur im sprachlichen sowie naturwissenschaftlichen Bereich auch ein Abitur im gewerblichen Bereich eingerichtet werden könnte. Es müsse möglich sein, die Strukturen in der Oberstufe so zu erweitern, dass mit einem derart neuen Abitur eine „Karriere mit Lehre“ realistisch wird.

„Deutschland ist Weltmeister – nicht nur im Fußball“, auch im Handwerk stehe Deutschland international sehr gut da: Lehrlingsmangel hierzulande, hohe Jugendarbeitslosigkeit in vielen EU-Partnerländern.

„Offensichtlich machen wir in Deutschland einiges anders und vieles richtig mit unserer dualen Ausbildung – auch dadurch, dass wir über den eigenen Bedarf hinaus ausbilden“, beschwor Repp einmal mehr das in Deutschland seit vielen Jahrzehnten praktizierte Ausbildungssystem: „Wir sind zu Recht Vorbild für die Ausbildung und die Qualifizierung in Europa, um nicht zu sagen in der ganzen Welt. Die duale Ausbildung ist weltmeisterlich, sie ist vorbildlich, sie ist Stabilitätsfaktor und mehr.“

Vorbild zu sein, bedeutet laut Repp auch, „dass wir uns nicht verstecken müssen, wenn in Brüssel mal wieder jemand auf die Idee kommt, den Meisterbrief in Frage zu stellen“. Es sei klar: Ohne Meister keine Gesellen, keine Lehrlinge. Wissenstransfer von den Wissenden an die Lehrlinge, das ist laut Repp „gelebter Verbraucherschutz“. Keine oder weniger Ausbildung, wie es seit 2004 in den nicht mehr meisterpflichtigen Handwerken zu beobachten sei, „hilft wenigen und schadet allen“.

Forderung der Funktionäre nach Erhalt des Meisterbriefs

Pflichtmeisterschaft und Qualifizierung seien keine Marktabschottung und auch kein Run auf Investitionen: „Der ,Meister’ ist eine jahrhundertealte Erkenntnis und auch zugleich ein absolutes Zukunftsmodell“, so der Präsident, der forderte: „Finger weg vom dualen Ausbildungssystem und Finger weg vom Meisterbrief.“
Repp verwies auf die Postkartenaktion der Kammer „Ja zum Meisterbrief“, mit der jeder ein Zeichen für den Erhalt des deutschen Meisterbriefes setzen könne. Anfang nächsten Jahres sollen die von vielen Kammern gesammelten Postkarten in Brüssel übergeben werden.

Regierungspräsident Lars Witteck dankte der Handwerkskammer für ihre „Präsenz und herausragende Arbeit im BTZ Wetzlar und damit für die gesamte Region Mittelhessen“. Und für die „außerordentlich gute“ Kooperation der Kreishandwerkerschaften mit Verwaltung und Politik sowie für die gute Verzahnung gesellschaftlicher Gruppen in Mittelhessen.

Auch der Regierungspräsident stellte sich hinter den Meisterbrief, der für Werte stehe, die ohne diesen Abschluss nur sehr schwer unter Beweis zu stellen wären: Fachkompetenz, technisches Know-how, höhere Qualifikation, Führungswissen und soziale Kompetenz. „Gerade für die Kunden des Handwerks hat der Begriff „Meisterbetrieb“ eine Strahlkraft wie der Doktorgrad für einen Mediziner.“

Wetzlarer Neue Zeitung vom Donnerstag, 31. Juli 2014, Seite 18

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